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Band 46

  Szeneanfang:

  Am Morgen des n?chsten Tages. Iris beobachtet Myrta, die mit einem entrückten L?cheln durch Genville spaziert.

  Iris, zu Myrta, kritisch: "Was schaust du so beseligt? Hat dich ein Frosch geküsst? Oder hast du was geraucht?"

  Myrta, lachend: "Ja, mich hat ein Frosch geküsst. Ich durfte das Nacht mit Estragon verbringen."

  Iris, sp?ttisch: "Estragon ist aber bloss ein Gewürz, keine glücklich machende Droge."

  Myrta fasst Iris mit beiden H?nden bei den Schultern und sagt lachend: "Iris, wie es leibt und lebt!"

  Iris verdreht die Augen: "Jetzt wird dieses Genville-Fuzzi mich gleich küssen."

  Myrta, Iris los lassend, l?chelnd: "Ich stehe nicht so auf Frauenk?rper. Aber ich kann dich ja gleichwohl gern haben."

  Iris, grimmig: "Ja klar. Iris lieben ist in Genville Pflicht."

  Myrta, offen und freundlich: "Ich habe dich immer bewundert."

  Iris, erstaunt: "Sagt eine, die mindestens dreimal so intelligent ist wie ich."

  Myrta, sich an eine entsprechende Szene im alten Genville erinnernd: "Als die Genvilles noch das Inbegriff des B?sen waren, hast du ihnen furchtlos ein Mikrofon hin gehalten und sie interviewt. Ich h?tte mir in das Hose gemacht."

  Iris, abwiegelnd: "Ach, das war doch bloss Show. Innerlich habe ich geschlottert."

  Myrta, freundlich: "Du hast kr?ftig ausgeteilt gegen die 'Genmonster'. Und heute bist du hier und l?sst dich vom schlimmsten 'Monster' anleiten. Was sagt uns das?"

  Iris, Stirn runzelnd: "Ja was?"

  Myrta, wie oben: "Dass du ein Gepard bist."

  Iris, wie oben: "Gibt's dazu noch eine Erkl?rung oder muss ich mir erst ein Fell wachsen lassen?"

  Myrta, wie oben: "Stell dir vor, du bist ein Gepard in einem Savanne, das bis an das Horizont reicht. Du hast Hunger auf Antilopen. Jedes Antilope entspricht einem neuen Gedanken. Du bist sozusagen stets auf dem Jagd nach neuen Gedanken. Auf deinem Streifzug kommst du an ein Schrebergarten, in dem ein Mensch sich um Blumen kümmert. Du fragst das Mensch, ob es Lust habe, mit dir durch das weite Savanne zu streifen und Antilopen zu jagen. Das Mensch schaut dich befremdet an und sagt, es sehe kein Savanne und keine Antilopen. Dann geht es wieder auf die Knie und reisst etwas aus dem dunklen Erde, damit es seine Blumen nicht überwuchern kann. ..."

  Myrta, nachdenklich vor sich hin: "... Die meisten Menschen leben in einem geistigen Schrebergarten, weil sie Angst haben vor neuen Gedanken, ..."

  Myrta, aufblickend, bewundernd: "... w?hrend du das Mut hast, sie zu jagen und dich zu ver?ndern."

  Ergriffen von dem Gleichnis schaut Iris Myrta mit grossen Augen an.

  Myrta, l?chelnd: "Auch wenn ich dreimal so intelligent wie du w?re, k?nnte ich als Ingenieur in einem Schrebergarten landen. Dann vertraue ich darauf, dass du den Zaun einreisst und mich in den Hintern beisst."

  Iris, l?chelnd: "Ich werde es lieber mit einem Tritt versuchen."

  Sie lachen sich an.

  Iris, entspannt: "Wenn wir schon bei der Antilopenjagd sind: Was ist so beseligend an einer Nacht mit Estragon?"

  Myrta: "Oh, es geht nicht um Estragon. Es sind die Genville-M?nner allgemein."

  Iris, grinsend: "Klar, du treibst es mit jedem."

  Myrta kichert.

  Myrta, entrückt: "Ich hatte etliche Natürliche, die alle versucht haben, mich auf ihr Weise zu beeindrucken. Und die mich regelm?ssig verlassen haben, wenn sie gemerkt haben, dass mich ihr Fassade nicht t?uschen konnte. Ich habe auch mein Teil dazu beigetragen, weil sich so ein Fassade doch recht papieren anfühlt und bald recht langweilig wird, wenn nichts dahinter ist. ..."

  Myrta, wie oben: "... Dann begegnete ich Caesar. Ich hielt es für ein Natürliches. Ich wusste noch nicht, dass in seinem Blut ein für Natürliche absolut t?dliches Virus schwamm, mit dem Caesar Hans Hart daran hinderte, es umzubringen. ..."

  Iris, erschrocken: "H?tte jemand Caesar verletzt, w?re Natural City ausgel?scht worden?!"

  Myrta, wie oben: "Ja. Caesar hatte ein starkes Herrschbedürfnis, welches die Genvilles nicht stillen konnten. Also ging es zu den Natürlichen, die es gewohnt waren, vor Herrschbedüftigen einzuknicken."

  Iris, kritisch: "Aber ein solcher Mann unterscheidet sich ja kaum von einem natürlichen Macho-Arsch."

  Myrta, wie oben: "Ja, aber sobald es um Wissenschaft ging, waren wir auf Augenh?he und so vertraut wie Bruder und Schwester. Das hatte ich zuvor noch nie erlebt. Und als Caesar mir, als w?re es das selbstverst?ndlichste Sache des Welt, erkl?rte, wie ich ein künstliches Bewusstsein programmieren konnte, begriff ich, welch unfassbares Intelligenz neben mir stand. Ich begann zu zittern, bis ich schlotterte, als h?tte ich Schüttelfrost. Da habe ich es zum ersten Mal bewusst gesehen ... Dieses Blick. Caesar schaute mich an mit den Augen eines Kindes. Es wollte wissen, was geschah. Lud mich ein, mich ihm hin zu geben. Mich zu offenbaren. Ich konnte alles sein, was ich wollte, und es empfing mich, wie ich war, bettete mich in sein Bewusstsein und w?rmte meine schlotternden Glieder. Ich habe nichts gesagt. Caesar hat nichts gefragt. Das W?rme durchfloss mich. Beruhigte mich. Und es war um mich geschehen. Ich verliebte mich in dieses Blick."

  Iris: "Aber warum hast du Natural City verlassen? Dort war doch dein Leben."

  Myrta, wie oben: "Mir ging es wie Caesar. Ich konnte das Grausamkeit der Natürlichen nicht mehr ertragen. Also liess ich mein bisheriges Leben zurück und wagte mich mit bangem Herzen nach Genville. ..."

  Myrta, wie oben: "... Ich fürchtete, dass mich das Leere und Verzweiflung, das mich in Natural City zunehmend ergriffen hatte, überall hin begleiten würde und dass in Genville noch das Verlorenheit in dem Fremde hinzu kommen würde. Ich sah mich schon, von tiefem Gram erfüllt, in dem Wüste hocken ..."

  Myrta, wie oben: "... und dann fand ich mich in diesem Paradies und, als w?re das nicht schon genug, hatten alle Genvilles dieses Blick. Als ich begriff, dass dieses lebende Dorf und die Blicke der Genvilles das pure Geborgenheit waren, musste ich weinen. Ich konnte nackt und verletzlich herum gehen und niemand würde mich verletzen. Ich konnte mich in jemandes Arme legen und Frieden finden."

  Iris, nachdenklich vor sich hin, mehr zu sich selbst: "Wow, wow, wow. Und ich dachte, du bist einfach beduselt, weil ein Genville-Mann es dir mit seinem Superschwengel so gründlich besorgt hat. Wir Natürlichen neigen wohl dazu, in Genville eine Kitschphase durch zu machen."

  Myrta, lachend: "Ich glaube nicht, dass es nur ein Phase ist. Das w?re doch schade."

  Iris, mit schr?gem L?cheln: "Es f?llt mir schwer zu vertrauen."

  Myrta, freundlich: "Erz?hl mir eines deiner Kitschmomente."

  Iris denkt misstrauisch: 'Macht sie jetzt einen auf Freundin?'

  Myrta beobachtet, wie es in Iris arbeitet.

  Iris denkt: 'Sie wird mich auslachen.'

  Myrta, freundlich: "Ich werde dich nicht auslachen."

  Iris ruft erschrocken: "Kannst du jetzt auch Gedanken lesen?!"

  Myrta, lachend: "Nein, aber das ist es doch, wovor wir Natürlichen immer Angst haben: uns l?cherlich zu machen, sodass wir im sozialen Rang zurück gestuft werden und das Respekt verlieren."

  Iris, zerknirscht: "Musst du uns gleich mit ingenieursm?ssiger Pr?zision sezieren?"

  Myrta, leicht betroffen: "Verzeih mir. Ich bin schon in so manches Fettn?pfchen getreten, weil ich lieber das Wahrheit sage, als mich mit h?flichem Geschwurbel beliebt zu machen."

  Iris, grinsend: "Lass stecken. Geht mir genauso."

  Iris, entschlossen: "Ach, scheiss drauf. Dann lachst du mich halt aus. Hier gibt es ja nicht viele soziale R?nge, die ich noch runter fallen k?nnte."

  Myrta ist erheitert.

  Iris, auf den Iris-Busch deutend, der schon etwas gewachsen ist: "Die Nutzmonster haben mir diesen Iris-Busch geschenkt, von dessen Früchten ich in etwa einer Woche naschen kann. ..."

  Iris' Gesichtszüge werden weich, wie sie sich daran erinnert: "Bevor ich gestern das Pfl?nzchen eingrub, habe ich spontan ein Blatt geküsst. Da habe ich gespürt, wie es mit seinen andern Bl?ttern meine Wangen gestreichelt hat. Die Tr?nen flossen nur so raus bei dem Gedanken, dass hier sogar die Pflanzen freundlich sind."

  Erstaunt betrachtet Iris Myrta, die gerührt sagt: "Was für ein sch?nes Erlebnis!"

  Iris: "Wenn wir uns jetzt noch schluchzend vor Rührung in die Arme fallen, stürzen bestimmt die Genvilles aus dem Gebüsch und kringeln sich vor Lachen, weil wir wieder auf ihre Verarsche rein gefallen sind."

  Myrta breitet ihre Arme aus und ruft: "Dann g?nnen wir ihnen doch das Spass!"

  Zu Iris' Verblüffung wird sie von Myrta umarmt.

  Spontan erwidert Iris die Umarmung.

  Beide simulieren ein gerührtes Schluchzen, ...

  ... welches allm?hlich in Lachen über geht, ...

  ... bis sie sich, jede für sich, vor Lachen auf die Schenkel klopfen.

  Mit vor Lachen tr?nenden Augen schauen sie sich an.

  Iris: "Bald sind wir genauso absurd wie die Genmonster."

  Myrta, fr?hlich: "Dann sind wir endlich frei!"

  Iris h?rt es, fr?hlich und nachdenklich zugleich.

  Myrta, mit Blick auf den Iris-Busch: "Darf ich mit kosten, wenn du zum ersten Mal deine Früchte probierst?"

  Iris, grinsend: "Na klar. Dann tappe ich wenigstens nicht allein in die n?chste Falle."

  Myrta: "Dann sollten wir jetzt vielleicht zum Lebensinsel gehen. Es erwartet uns für das Reise."

  Iris staunt: "Du kommst auch mit? Machst du auch so ein Weg-des-Kriegers-Ding?"

  Myrta, nachdenklich: "Tun das nicht dauernd alle? Gibt uns dieses phantastische Wesen mit seinem ph?nomenalen Zuversicht nicht jedes Tag das Mut und das Kraft, Unglaubliches zu vollbringen auf einem Planeten, das eigentlich dem Untergang geweiht ist?"

  Iris staunt: "'Phantastisches Wesen', dieser plumpe Kerl?"

  Iris beobachtet, wie Myrta vielsagend vor sich hin l?chelt, und sagt mit schr?gem L?cheln: "Ja ja, ich kann mich dem Killer-Charme dieses Monstrums auch nicht entziehen."

  Myrta lacht hell auf, ...

  ... schaut Iris mit breitem L?cheln an ...

  ... und ergreift ihre Hand, was Iris erstaunt beobachtet, wobei sie denkt: 'Ist das auch so ein Freundin-Ding?'

  Myrta, mit Iris an der Hand sich zum Gehen wendend: "Lass uns zum Lebensinsel gehen."

  Die fünfhundert Meter durchmessende Lebensinsel schwebt wenige Zentimeter über einem begrünten Teil der Wüste, um die kleinen, Wiesen ?hnlichen Pflanzen nicht zu zerdrücken. Myrta und Iris n?hern sich Hand in Hand.

  Myrta, strahlend vor Freude: "Die Genvilles haben mein Wunsch nach einem Raumschiff erfüllt. Es heisst Lebensinsel, weil es uns im kalten, t?dlichen Weltraum ein Stück Genville bietet. Es funktioniert wie Ambellmi."

  Iris starrt fassungslos mit offenem Mund auf das gewaltige Wesen.

  Iris, schwer beeindruckt, tonlos: "Ich habe schon Frauen mit bescheideneren Wünschen gesehen."

  Myrta muss lachen ...

  ... und sagt grinsend zu Lebensinsel: "Liebes Lebensinsel, das hier ist unser stets kritisches Berichterstatter Iris."

  Lebensinsel, die Gedanken direkt im Gehirn entstehen lassend: ""Dieses Iris findet es seltsam, dass du sein Hand h?ltst.""

  Myrta wird wieder bewusst, dass sie Iris' Hand h?lt. Myrta, auf die H?nde schauend: "Oh ..."

  Iris, seufzend, denkt: 'Noch so ein Hirngucker!'

  Myrta zieht Iris' Hand mit nach oben und sagt l?chelnd: "Ich habe Iris wohl in mein Herz geschlossen."

  Iris, wenig erbaut, denkt: 'Und jetzt gibt's noch Seelenstriptease.'

  Lebensinsel: ""Warum macht dir Myrtas Herz Angst? Es hat keine Z?hne, hahaha.""

  Iris, kichernd: "Vielleicht sollte ich mir das zu Herzen nehmen ..."

  Iris, ernster: "... Im übrigen kannst du ja nach schauen, du Seelengucker. Dann siehst du, wie oft mich solche Herzchen gebissen haben."

  Lebensinsel: ""Hahaha, du bist lustig. Aber ich kann nicht einfach so nach schauen, wie du meinst. Ich kann deine Erinnerungen nur sehen, wenn sie geweckt sind. Das heisst, du müsstest die Erlebnisse mit deinen Herzchen noch einmal durch leben, dann kann ich die entsprechenden Gefühlsfelder wahrnehmen.""

  Iris, gar nicht begeistert bei dem Gedanken: "Spinnst du? Das ist ja wie seine Haut mit dem Messer ritzen."

  Lebensinsel: ""Hahaha, deine Herzchen hatten scharfe Z?hne.""

  Myrta, l?chelnd: "Lebensinsel hat dich auch ins Herz geschlossen."

  Iris, mit schr?gem L?cheln: "Zum Glück hat dieses Monstrum wenigstens keine Beisserchen."

  Myrta, amüsiert: "Das würde ich nicht sagen. Mit seinen Wandlerzellen kann Lebensinsel ein Planet vernichten."

  Mit grossen Augen wird sich Iris der Tragweite dieser Aussage bewusst.

  Iris, eingeschüchtert: "Dann hoffe ich mal, dass du nicht j?hzornig bist."

  Lebensinsel: ""Ich kenne dieses Gefühl nicht. Meine Wandlerzellen dienen dem Kommunizieren, dem Wegdoppeln und dem überleben im All, nicht dem Vernichten.""

  Iris, zweifelnd: "Und es gibt nichts, das dich wütend machen kann?"

  Lebensinsel: ""Nein. Ihr Natürlichen habt dieses Wut. Ich nicht.""

  Iris, wie oben: "Und woher weiss ich, dass du nicht lügst?"

  Lebensinsel: ""Frag Meneor oder Antara. Sie k?nnen meine Gefühle mit ihrem Feldsinn wahrnehmen. Das Natur hat die m?chtigsten Wesen mit Wut ausgestattet und sie haben das Natur ausgerottet. H?ltst du die Genvilles für so dumm, dasselbe Fehler zu machen?""

  Iris, finster: "Dem kann ich nicht widersprechen. Trotzdem werde ich Meneor oder Antara fragen."

  Lebensinsel: ""Du willst das Wahrheit wissen. Das ist gut.""

  Iris, die geh?ssige Reaktionen auf ihr beharrliches Nachfragen gewohnt ist, schaut Lebensinsel erstaunt an.

  Myrta, l?chelnd: "Siehst du. Es ist durch dein beharrliches Nachbohren nicht beleidigt wie deine früheren Interviewpartner. Die h?tten dich bestimmt gern in Schnelles Energie aufgel?st."

  Iris, Stirn runzelnd: "Aber was, wenn Lebensinsel Meneor und Antara mit dem Tod bedroht, wenn sie mir die Wahrheit sagen?"

  Myrta, betroffen: "Wie tief musst du im Sumpf der Natürlichen gegraben haben, dass du auf solche Gedanken kommst ..."

  Myrta: "... Glaubst du wirklich, die beiden liessen sich erpressen?"

  Iris nimmt Witterung auf: "Na, das ist jetzt eine gute Frage!"

  Wie Antara und Meneor sich Hand in Hand n?hern, kr?ht Iris, auf Lebensinsel zeigend: "Wenn dieses ultimative Monstrum euch mit dem Tod bedroht, wenn ihr mir die Wahrheit sagt, würdet ihr mich dann anlügen?!"

  Antara, wie ein Orakel: "Wenn etwas versucht, mich zu etwas zu zwingen, werde ich es in Schnelles Energie aufl?sen."

  Iris, provozierend: "Und wenn es st?rker ist als du?"

  Antara, wie oben: "Dann sterbe ich, denn unter Zwang zu leben ist es nicht wert."

  Iris schweigt, beeindruckt von der Wucht der Aussage.

  Iris findet aber rasch zurück in ihren Kampfmodus und sagt angriffig zu Meneor: "Und du, tapferer Krieger? Du bist ja schon darin geübt, den Schwanz einzuziehen."

  Meneor, l?chelnd: "Ich würde Lebensinsel mit einem Aufgabe ablenken und es dann mit meinen Messern explodieren lassen."

  Iris, wie oben: "Und wenn du verlierst und Lebensinsel dich vorher aufl?st?"

  Meneor, wie oben: "Es kann nur verlieren: Wenn es mich aufl?st, kann es mich nicht zwingen. Und wenn ich es t?te, ist es tot."

  Iris, streng: "Dann sagt mir: Kann Lebensinsel Wut empfinden?"

  Meneor und Antara, im Chor: "Nein."

  Meneor, l?chelnd: "Es ist wie ich."

  Iris, Stirn runzelnd: "Na toll, und du bist ein Massenm?rder."

  Meneor, wie oben: "Ich t?te nicht aus Wut oder Vergnügen. Ich t?te nur, was Schmerzen macht."

  Iris, kritisch: "Mit dieser Begründung kann Lebensinsel ganze Zivilisationen ausl?schen."

  Antara, wie oben: "Wozu? Macht ausüben macht kein Sinn. Du wolltest die Natürlichen von dem Macht befreien, indem wir ihre Diktatoren k?pfen. Und jetzt hast du begriffen, dass wir schliesslich alle Natürlichen umbringen müssten, solange es noch eines gibt mit einem Herrschbedürfnis. Macht ausüben, heisst Schmerz erzeugen. Deshalb werden Ambellmi und Lebensinsel niemals Gewalt gegen Lebewesen einsetzen, um Macht auszuüben. ..."

  Antara, Meneor liebevoll betrachtend: "... Und was dieses wunderbare Sch?pfung betrifft: Kennst du ein Lebewesen, dass vom Massenm?rder Meneor zu etwas gezwungen wird? Es hat sein Kraft niemals dazu missbraucht, andere zu beherrschen. Es hat nur dafür gesorgt, dass wir und auch die Natürlichen am Leben bleiben. Denn wenn die hunderttausend Chromos-2-Krieger, die Meneor mit seinen Getreuen vernichtet hat, auf Natural City los gegangen w?ren, würde dort nichts mehr leben."

  Iris versucht vergeblich, ihr Staunen hinter Ironie zu verstecken: "Myrta nennt dich 'phantastisches Wesen', Antara 'wunderbare Sch?pfung'. Mann, du hast vielleicht ein Image!"

  Myrta, zu Iris: "Schau, Iris, warum sollten sich diese unglaublich starken Wesen so viel Mühe geben, uns Schw?chlinge von ihrem Harmlosigkeit zu überzeugen, wenn sie uns doch einfach ausknipsen k?nnten, sobald wir ihnen in das Quere kommen?"

  Iris h?rt erschüttert zu, ...

  ... greift sich an den Kopf und ruft: "Okay, okay, ich gebe mich geschlagen! Ihr seid alles Heilige! Und wenn dem nicht so w?re, k?nnte ich ja ohnehin nichts dagegen unternehmen."

  Piri und Ewald n?hern sich Hand in Hand.

  Iris sieht's und ruft eifersüchtig: "Ewald, du verdammter ...!"

  Zerknirscht, dass sie ihre Eifersucht so offen zeigt, schl?gt Iris sich die Hand vor den Mund ...

  ... und schaut verwirrt und erschüttert zu Boden.

  Ewald denkt betroffen: 'Verdammter Mist! Entweder bleibe ich frustriert in Iris' Hundehütte oder ich lasse mich von den Genville-Frauen verw?hnen und verletze damit Iris, die ich über alles liebe. Warum müssen Natürliche immer in Situationen geraten, in denen das Wohlbefinden durch Schmerz aufgefressen wird?'

  Lebensinsel: ""Ist Iris traurig und wütend, weil Ewald Piri sein Samen gegeben hat?""

  Iris wird fast schlecht bei dem Gedanken.

  Ewald ruft Schuld bewusst und verzweifelt: "Aber Iris ist asexuell! Sie braucht meinen beschissenen Samen doch gar nicht!"

  Lebensinsel: ""Dann verstehe ich nicht, was in Iris geschieht.""

  Myrta: "Weisst du, liebes Lebensinsel, dieses seltsame Mischung aus Zuneigung und Zorn nennt sich Eifersucht. Eifersucht ist ein Leidenschaft, das mit Eifer sucht, was Leiden schafft."

  Lebensinsel: ""Absurd!""

  Myrta, mit wehmütigem L?cheln: "Ja, so sind wir Natürlichen. Für uns ist Liebe immer mit einem Besitzanspruch verbunden. ..."

  Lebensinsel: ""Was bedeutet 'Besitz'?""

  Iris starrt Lebensinsel fassungslos an und denkt: 'Es weiss nicht, was Besitz ist?!'

  Myrta: "Besitz ist, wenn du Macht hast über ein Stück des Welt."

  Lebensinsel: ""Iris will Macht über Ewald?""

  Iris greift sich besch?mt an den Kopf: "Argh."

  Lebensinsel: ""Was hat Iris jetzt für ein merkwürdiges Gefühl?""

  Myrta: "Das nennt sich Scham. Es sch?mt sich, weil es eifersüchtig ist."

  Iris ist rot vor Scham.

  Lebensinsel: ""Iris hat ein merkwürdiges Gefühl, weil es ein merkwürdiges Gefühl hat?""

  Iris, seufzend: "Okay, Lebensinsel hat die Absurdit?t meiner Gefühle auf den Punkt gebracht. Ihr dürft jetzt lachen."

  Lebensinsel: ""Dein Schmerz ist nicht lustig. Soll ich es beenden?""

  Iris ruft abwehrend: "Nein, du tust nichts!"

  Lebensinsel: ""Du willst lieber leiden?""

  Iris, zerknirscht: "Ja, verdammt. Ich will nicht, dass du an meinem Hirn rum fummelst."

  Lebensinsel: ""Du brauchst kein Angst zu haben. Ich tue nur, was du willst.""

  Iris, mit schr?gem L?cheln: "Das hat Meneor auch gesagt. Sind hier alle Genmonster so nett?"

  Ewald, l?chelnd: "Meneor ist eben ein Gentleman."

  Iris, wie oben: "'Killer und Gentleman', was für ein Film!"

  Meneor: "Was ist ein 'Gentleman'?"

  Antara: "Ich glaube, etwas das rücksichtsvoll ist zu Damen."

  Meneor: "Was ist ein Dame?"

  Antara: "Ein Art schwaches Wesen, glaube ich. Sonst br?uchte es ja kein Rücksicht."

  Myrta, l?chelnd zu Iris: "Entspann dich, Iris. Wir sind definitiv in Absurdistan angekommen."

  Iris schenkt Myrta ein befreites Lachen.

  Lebensinsel: ""Wenn wir uns genug vergnügt haben, werde ich mal Sp?her aussenden, damit wir nicht in einem Sonne oder Schwarzen Loch landen.""

  Mit leichtem Erschrecken beginnt Iris zu schweben zusammen mit Myrta, Antara, Meneor, Piri und Ewald.

  Lebensinsel l?sst alle auf sich landen und sagt: ""Wenn Berichterstatter Iris Lust empfindet, kann es von unserem Reise berichten. Wenn Ewald Lust empfindet, kann es filmen.""

  Ewald schenkt Iris ein strahlendes L?cheln und sagt: "Kamera start!"

  Als h?tte jemand mit den Fingern geschnippt, verwandelt sich Iris in die professionelle Reporterin: "Iris und Ewald von den Genville News. Wir stehen hier auf einem monstr?sen Fleischklumpen, der sich Lebensinsel nennt und von dem Ingenieurin Myrta behauptet, es handle sich um ein Raumschiff. Dieses 'Raumschiff' hat eben Sp?her ausgeschickt, die tr?stlicherweise dafür sorgen sollen, dass unsere Reise nicht in einem Schwarzen Loch endet. Ich habe keine Ahnung, wohin die Reise gehen soll. Vielleicht handelt es sich auch einfach um den n?chsten Schabernack, den sich die Genvilles ausgedacht haben, um sich den Tag auf meine Kosten mit Gel?chter zu versüssen. ..."

  Erheitert h?ren die Umstehenden zu.

  Lebensinsel: ""Die Sp?her melden ein sicheres Landeort.""

  Iris, kritisch: "Lebensinsel schickt offenbar Lebewesen auf eine Kamikaze-Mission, denn wenn sie in einer Sonne gelandet w?ren, h?tte dies ihren Tod bedeutet. ..."

  Lebensinsel: ""Die Sp?her sind keine Lebewesen. Sie sind Teil meines Nervensystems und Sinnesorgane, mit denen ich das Sicherheit eines Landeortes ertasten kann.""

  Iris, zweifelnd: "Du gehst also nicht über Leichen?"

  Lebensinsel: ""Ich verliere nur ein paar Nervenzellen.""

  Iris: "Na gut. Dann l?uft jetzt der Count-..."

  Lebensinsel taucht irgendwo im schwarzen Weltall auf.

  Iris schreit entsetzt: "Ahhh ... Scheisse!!! ... Ich habe mir fast ins Hemd gemacht!"

  Piri, l?chelnd: "Das macht nichts. Dein Hemd ern?hrt sich von deinen Ausscheidungen."

  Iris, angeekelt: "Würg."

  Iris, alarmiert zu Ewald: "Filmst du etwa?"

  Ewald, grinsend: "Ja klar, du bist auf Sendung, Iris."

  Iris, im Befehlston: "Dann schneidest du meinen Aussetzer raus, klar?!"

  Ewald: "Ich 'filme' mit meinem Hirn. Ich habe keine Software, um den entstandenen Gefühlsenergiestrom zu schneiden. Ausserdem ist dein Aussetzer Teil der Wahrheit."

  Iris, sich verzweifelt an den Kopf fassend: "Aargh."

  Iris starrt mit offenem Mund etwas an, das sie offenbar aus der Fassung bringt.

  Vor Iris schwebt eine gigantische Wolke aus unz?hligen quallenartigen Wesen, die sich innerhalb der Wolke mit Lichtblitzen fortbewegen, sodass die Wolke in einem hellen Blitzgewitter erstrahlt.

  Iris ist von hinten zu sehen, wie sie stammelt: "Wa... Was ist das?"

  Antara: "Das sind Lichtwesen. Meneor und Piri haben sie auf einem ihrer Reisen mit Lebensinsel entdeckt."

  Iris, verblüfft zu Meneor und Piri: "Ihr treibt euch regelm?ssig im Weltall herum?!"

  Myrta, kichernd: "Das Weg des Kriegers."

  Iris reisst sich zusammen und besinnt sich auf ihre Rolle als Berichterstatterin: "Also gut, liebes Publikum, ihr habt euch jetzt wegen meines Verhaltens genug amüsiert. Jetzt wollen wir der Sache auf den Grund gehen ..."

  Iris, zu Antara: "Antara, k?nnen wir mit den Lichtwesen sprechen?"

  Antara: "Ich werde ein Botschaft senden, dass du dich mit ihnen verbinden willst."

  Iris, erschrocken: "Wer hat was von 'verbinden' gesagt?"

  Ewald, besorgt: "Ist das nicht gef?hrlich?"

  Iris, entschlossen: "Scheiss drauf, wir haben schliesslich auch den Massenm?rder Meneor interviewt, da k?nnen mich ein paar Kaulquappen nicht abschrecken."

  Iris ist an den Rand von Lebensinsel getreten und winkt mit beiden H?nden die Lichtwesen herbei.

  Ewald ist ihr gefolgt: "Ob die deine Sprache verstehen?"

  Antara, l?chelnd: "Gefühle brauchen kein Sprache."

  Ein Lichtwesen l?st sich aus der Wolke und steuert, von Lichtimpulsen angetrieben, auf Iris zu, die es mit klopfendem Herzen gespannt beobachtet.

  Wie das Lichtwesen vor Iris verharrt, ...

  ... streckt Iris ihre Arme aus, als wollte sie das Wesen umarmen, und sagt: "Komm n?her, ich beisse nicht."

  Myrta, schmelzend: "Hach, wie ich Iris bewundere!"

  Das Lichtwesen schwebt in die Sauerstoffatmosph?re von Lebensinsel, die ihm nichts anzuhaben scheint, ...

  ... bewegt seine quallenartigen F?den auf Iris zu, die es tapfer schluckend registriert, ...

  ... und berührt damit Iris' Kopf, w?hrend Iris gleichzeitig mit ihren H?nden den zarten Quallenk?rper ganz vorsichtig umfasst.

  Ewald sieht, wie Meneor und Antara die Situation hoch konzentriert mit geschlossenen Augen verfolgen und denkt: 'Sie checken die Lage mit ihrem Feldsinn. Ich hoffe, Antara kann reagieren, bevor Iris etwas zust?sst.'

  Wie die Quallenf?den sich mit Iris' Kopf verbinden, denkt Iris mit klopfendem Herzen: 'Hoffentlich saugt es mir nicht das Hirn aus dem Sch?del. Zum Glück bin ich solche Zudringlichkeit von den Nutzmonstern gewohnt.'

  Wie die Verbindung steht, ist es, als würde eine Wand eingerissen und Iris von einer m?chtigen Str?mung in das fremdartige Bewusstsein des Lichtwesens geschwemmt, dem dasselbe widerf?hrt, sodass ihre Bewusstseine einander so nahe sind, als w?ren sie eins und eines dem andern alles offenbart, ...

  ... was Iris vor Wohlbefinden erschauern und rufen l?sst: "Unsere Bewusstseine tanzen splitterfasernackt um einander, hahaha. Was für ein Erlebnis! ..."

  Iris, wie oben: "... Ich brauche meine Fragen nur zu denken und die Antworten kommen als Bilder und Gefühle, so als ob ich mich selber befragen würde. ..."

  Iris, konzentriert: "... Die Lichtwesen haben ihre Zivilisation im Meer eines Wasserplaneten entwickelt. Eines Tages haben sie begriffen, dass die Sonne explodieren und ihren Planeten verbrennen würde. Dank einer genetischen Mutation, die ihnen Wandlerzellen bescherte, konnten sie rechtzeitig in den Weltraum aufbrechen. Sie k?nnen sich jedoch nicht schneller als Licht bewegen, weshalb sie hier in der Leere des Raumes ziemlich verloren sind. ..."

  Myrta, betroffen: "Wie tragisch!"

  Iris, betroffen: "... Sie sind schon seit tausenden von Jahren unterwegs ..."

  Jetzt sind alle betroffen.

  Iris, staunend: "... Es l?dt uns ein, Teil ihres kollektiven Bewusstseins zu werden."

  Ewald, misstrauisch: "Klingt nach einer Falle."

  Meneor und Antara konzentrieren sich mit geschlossenen Augen ...

  ... und sagen im Chor: "Ist es nicht."

  Myrta, erschüttert: "Aber wenn sie seit Jahrtausenden unterwegs sind, ohne etwas Neues, Interessantes gefunden zu haben, konnten sie nur ihre Erinnerungen austauschen. Als würden sie in einem Verliess sitzen und darauf warten, dass jemand sie befreit. Das Isolation in dem leeren Weltraum ist für neugierige Wesen wie ein Folter."

  Iris, zitternd: "Du hast recht, Myrta. Dieses Wesen ist so begeistert von dem Kontakt mit mir, dass es von Wogen des Glücks durchflutet wird. Ich habe ein solch überw?ltigendes Gefühl noch nie empfunden. Ob sich Piri so fühlt, wenn sie wieder einen Anfall von Glück hat?"

  Piri, fr?hlich: "Lasst es uns heraus finden! Sag deinem Lichtwesen, dass wir bereit sind für ihr Kollektivbewusstsein."

  Piri, sich neben Iris platzierend: "Alle, die Lust haben, stellen sich neben Iris."

  Meneor, Antara, Myrta und Ewald stellen sich neben Iris auf.

  Lebensinsel: ""Und wie soll ich mich neben Iris aufstellen?""

  W?hrend Piri kichert, sagt Iris grinsend: "Ich werde diesen Quallen bedeuten, dass auch eine bei dir andocken soll ..."

  Iris, etwas besorgt: "... Allerdings bist du dann auch Teil dieses 'kollektiven Bewusstseins'. Und wenn das ein fieser Trick ist, um uns zu überw?ltigen, haben wir niemanden mehr, der uns beschützt ..."

  Iris, nachdenklich: "... Handkehrum w?re es nicht besonders klug, auf mein Angebot mit Aggression zu reagieren."

  Piri und Myrta, neugierig, im Chor: "Dein Angebot?"

  Iris: "Nachdem mir Myrta klar gemacht hat, in welcher beschissenen Lage sie sich befinden, habe ich meine Qualle gefragt, ob wir sie in Nullzeit irgendwo hin bringen sollen. Bist du mir jetzt b?se, Lebensinsel, weil ich deine Dienste feilbiete, ohne dich zu fragen?"

  Lebensinsel: ""Du kannst meine Dienste anbieten, so oft du willst. Ich kann ja immer noch nein sagen, hahaha.""

  Iris, schr?g l?chelnd: "Klar, mein Grosser. Wer wollte dich auch zu etwas zwingen?"

  Das Lichtwesen l?st sich von Iris ...

  ... und schwebt zurück zur Wolke, ...

  ... wo es seine F?den mit dem K?rper eines anderen Lichtwesens verbindet, ...

  ... welches sofort seine F?den nach dem n?chst gelegenen K?rper ausstreckt ...

  ... und so fort, sodass sich die lose durcheinander wuselnden Individuen allm?hlich zu einer Struktur zusammen finden, ...

  ... die in eine wundersch?ne Mischung aus Kristall und Gehirn mündet, ...

  ... welche sich, majest?tisch und behutsam zugleich, n?hert.

  Dicht vor Lebensinsel bleibt die phantastische Erscheinung stehen.

  F?den von verschiedenen Lichtwesen, deren K?rper über F?den am Kollektiv angeschlossen sind, bewegen sich langsam auf die Menschenk?pfe und auf Lebensinsel zu.

  Unwillkürlich schliessen die Menschen die Augen. Nur Meneor beh?lt die seinen offen und beobachtet aufmerksam, was geschieht, beide Arme vor der Brust über Kreuz, mit den H?nden an den Messergriffen, bereit, die F?den mit einer schnellen Scherenbewegung zu zerschneiden.

  Lebensinsel: ""Was meinst du, Meneor? Riskieren wir zu viel?""

  Meneor: "Ich glaube nicht. Aber Vorsicht hilft oft."

  Antara, mit feinem L?cheln: "Ob ich dieses Satz wieder in ein Fels schreiben soll?"

  Piri kichert ...

  ... und ergreift Antaras Hand. Piri: "Das Neue wird uns bereichern oder t?ten. Aber ohne das Neue sind wir schon tot."

  Antara: "Ich habe grosses Furcht, dass das Schw?rze in mir sie erschrecken k?nnte und so zum Hindernis wird für ein gedeihliches Zusammen."

  Iris: "Mach dir da mal keine Sorgen, Antara. Ich habe deine Schw?rze erlebt und sie ist kein Hindernis für ein 'gedeihliches Zusammen'. Im Gegenteil: Obwohl ich nicht f?hig bin, jemanden zu lieben, erzeugt dein melancholisches L?cheln in mir eine so bittere Süsse, dass ich weinen und dich in die Arme schliessen m?chte. Ausserdem haben diese Quallenmonster Jahrtausende in der Schw?rze gelebt und haben gelernt, damit um zu gehen."

  Die Quallenf?den docken an den Menschen und Lebensinsel an.

  Die Menschen b?umen sich auf, als würde ein Blitz sie durch zucken.

  Ein Ozean aus Bildern und Gefühlen von einer l?ngst untergegangenen Quallengesellschaft, die sich unter dem Wasser eines Meeresplaneten ohne Kontinente entwickelt hat.

  Ein Strom intensiver Gefühle von individuellen Schicksalen, ...

  ... der Furcht vor dem Untergang des Planeten, ...

  ... des Albtraums am Tag der Vernichtung des Planeten, ...

  ... der ungeheuerlichen Verlorenheit in der Schw?rze des Alls ...

  ... und dann diese Eruption von Glück, endlich andere Wesen gefunden zu haben, ...

  .... deren Erleben und Erfahrung sie mit fast be?ngstigendem Hunger f?rmlich aufsaugen.

  Die Menschen zittern, ausser Meneor.

  Iris erlebt, wie ihre bisher alles dominierende Natural City Biografie auf Briefmarkengr?sse schrumpft und in dem Ozean an Gefühlsenergie verschwindet, so als h?tte sie nie existiert ...

  ... und Iris sich wie gereinigt und neugeboren fühlt.

  Iris, zitternd, erschüttert: "Ich will versuchen, das Geschehen zu kommentieren, auch wenn es unm?glich ist, nachzuvollziehen, wie es sich anfühlt, in einem Ozean fremder Erfahrungen zu schwimmen, wenn ihr es nicht selbst erlebt. ..."

  Iris, wie oben: "... In meinem Kopf leuchtet es, als w?re ich einem Engel begegnet. Mir ist, als h?tten diese Lichtquallen meine gesamte Biografie eingesaugt. Aber statt mich auszulachen, zu verachten oder zu hassen, haben sie sich dafür interessiert, haben sie aufgenommen und vermischt mit den anderen Erfahrungen von einer Milliarde Einzelwesen. Die farbenfrohen Erinnerungen an ein l?ngst verflossenes Leben im Meer sind überw?ltigend. Und verblüffend: Bis auf den Augenblick, wo die Sonne ihren Planeten vernichtet hat, sind alle Erinnerungen angenehm friedlich. Hatten sie nie Kriege? Keine Konflikte? ..."

  Iris, wie oben: "... Wenn sie mir nichts verbergen, haben sie schon lange vor ihrer Transformation zu den Lichtwesen in Harmonie gelebt. Angesichts der blutigen Menschheitsgeschichte ist es ?usserst besch?mend, dass eine Quallengesellschaft erreicht hat, wovon die Menschheit nur tr?umen konnte ..."

  Iris, wie oben: "... Und wenn ich mir meine eigenen Konflikte in Natural City vor Augen führe, wird es vollends peinlich. Denn im kollektiven Bewusstsein dieser himmlischen Erscheinung zerbr?seln die Wichtigkeiten meines bisherigen Lebens zur Bedeutungslosigkeit. Und es f?llt mir zunehmend schwerer, noch nachzuvollziehen, warum ich mich je aufgeregt habe ..."

  Iris, weinend vor Glück: "... Auch wenn ich weinen muss, weil das Verweilen in diesem Reich der Engel meine Brust so mit Glück erfüllt, dass es sie sprengen m?chte, muss ich mich auf meine Winzigkeit besinnen und auf meine Aufgabe. Sagt mir, wie ergeht es euch?"

  Antara, mit geschlossenen Augen und einem seltenen Strahlen auf dem Gesicht: "Es ist, wie du sagst: Auch mein Schw?rze verliert sich in dem Licht, was mir ein Augenblick des Erl?sung schenkt."

  Myrta: "Du hast mein Empfinden ganz wunderbar auf das Punkt gebracht, Iris."

  Ewald: "Dem habe ich nichts hinzu zu fügen."

  Piri, strahlend: "Mein Sonne strahlt jetzt noch heller!"

  Lebensinsel: ""Ich werde sie überall hin bringen, wo sie wollen.""

  Iris: "Und du, Meneor?"

  Meneor: "Hier wird aus eins viele. Wenn ich Piri spüre, wird aus zwei eins. Gef?llt mir besser."

  Myrta, mit Tr?nen der Rührung: "Wie süss!"

  Iris, wie Myrta: "Mannomann, der Hackebert bringt aber m?chtig Schmalz!"

  Iris: "Ich glaube, wir sollten das jetzt beenden. Wir sind schon alle ziemlich durch den Wind. Wer weiss, wozu das sonst noch führt."

  Antara, kichernd: "Du hast recht, Iris. Sonst werden die Lichtwesen noch zu einem Droge."

  Die Lichtwesen l?sen ihre Verbindung ...

  ... und die Wolke zieht sich etwas zurück.

  Myrta: "Was meinst du, Meneor: Wollen wir sie mit auf das Erde nehmen, bis sie wissen, wohin sie wollen? ..."

  Myrta, kichernd: "... Oder wiegen sie uns in falschem Sicherheit, um das Erde zu erobern, wie es Aliens in Filmen üblicherweise tun?"

  Meneor: "Was denkst du, Antara?"

  Antara: "Sollten wir Iris' und Ewalds Reportage nicht den andern zeigen, um ihr Meinung zu erfahren?"

  Ewald: "Wir haben kein Ahnung, welches Kampfst?rke sie haben und wie sie auf allf?llige Bedrohungen durch Natürliche und Missverst?ndnisse reagieren."

  Iris, verblüfft zu Ewald: "Seit wann sprichst du wie die Genvilles und machst alles geschlechtslos?"

  Ewald: "Mein Biografie ist eben auf Briefmarkengr?sse geschrumpft. Es macht kein Sinn, ein Sprache zu behalten, das wir brauchten, um im Biotop Natural City zu überleben. Wir sind jetzt die Genville News und sollten das Sprache neutralisieren, sodass niemand sich mehr benachteiligt fühlt."

  Iris, beeindruckt: "Gut gebellt, Hundi! Passen wir unser Sprache an und setzen damit ein Zeichen, dass wir etwas gelernt haben."

  Alle beobachten fasziniert, wie sich das gewaltige Kristallgehirn wieder in unz?hlige Individuen aufl?st ...

  ... und die Wolke wieder zu glitzern beginnt durch die Lichtimpulse der sich hin und her bewegenden Lichtwesen.

  Lebensinsel: ""Zeit zu gehen?""

  Menschen im Chor: "Ja."

  Eine Sekunde sp?ter liegt Lebensinsel mit seiner Besatzung wieder neben Genville.

  Meneor schlendert zurück nach Genville.

  Iris schliesst zu ihm auf und sagt: "Ich zittere innerlich noch von diesem unglaublichen Erlebnis. ..."

  Iris, w?hrend sie Genville betreten: "... Warum l?sst du mich das alles erleben, Meneor?"

  Meneor: "Das Alte schmerzt dich. Wenn das Neue gross genug ist, wird das Alte so klein, dass es dich weniger schmerzt."

  Iris, mit schr?gem L?cheln: "Holzhammerlogisch! Mein altes Leben erscheint mir wie ein Eisberg an dem Sonne. Es wird jedes Tag kleiner und bedeutungsloser. Du bist ein echtes Talent, komplizierte Dinge auf das einfachste Punkt zu bringen. Du w?rst das Superknaller in jedem Redaktion."

  Meneor: "Was ist ein Redaktion?"

  Iris: "Da sitzen Leute in einem Raum und besprechen, was und wie sie es den Leuten erz?hlen wollen. Wer es am besten auf das Punkt bringt, sodass die Leute es verstehen, ohne viel nachdenken zu müssen, ist das Superknaller."

  Meneor: "Aber wenn ich knalle, sind alle tot."

  Iris: "Ein Knaller ist, wenn dich alle bewundern."

  Meneor: "Ich muss dann auf dem Tisch stehen und alle klatschen?"

  Iris, lachend: "Du bringst alles auf das Punkt."

  Meneor schiebt seine Handfl?chen unter Iris' Füsse ...

  ... und hebt seine Handfl?chen mühelos auf Schulterh?he, sodass Iris ihn überragt.

  Meneor: "Ich bewundere lieber dich."

  Iris: "Warum? An mir gibt's eigentlich nichts mehr zu bewundern."

  Meneor: "Doch. Alles."

  Iris, grimmig: "Du verdammtes, plumpes, edles ..."

  Iris, weinend: "... So ein sch?nes Kompliment hat mir noch niemand gemacht."

  Meneor: "Was ist ein Kompliment?"

  Iris, mit den Tr?nen k?mpfend: "Wenn du jemandem sagst, was du gut an ihm findest."

  Meneor: "Ich finde das ganze Iris gut."

  Iris, wie oben: "H?r auf, Meneor Du machst das nur, weil du in meinem Hirn sehen kannst, welches Wohlgefühl mir dein Bewunderung verschafft. Aber wenn ein Kompliment nicht echt ist, wird dieses Wohlgefühl ersterben und es bleiben nur Entt?uschung und Scham. Und überhaupt, du kennst ja sowas wie Bewunderung gar nicht."

  Meneor: "Ja, ich weiss nicht so genau, wie die Gefühle heissen. Aber wenn ich dich anschaue, ist W?rme in mir und Freude. Es gibt nichts an dir, das diese Gefühle sterben l?sst. So muss auch dein Wohlgefühl nicht sterben."

  Iris, mit schr?gem L?cheln: "Wenn mich meine ehemaligen 'Freunde' jetzt sehen k?nnten, würden sie sich kaputt lachen über dieses holprige Liebeserkl?rung. Aber du bist vermutlich der ehrlichste ... das ehrlichste Ding, das mir je begegnet ist."

  Iris kullern die Tr?nen aus den Augen: "W?rme und Freude – wie einfach kann Liebe sein!"

  Szeneanfang:

  Zur gleichen Zeit spaziert Ili durch Natural City. Ilis Kleid ist eng anliegend. Es ern?hrt sich von Ilis Ausscheidungen, der Luft und der Sonne. Um den Hals produziert es, wie eine Art Verzierung, essbare Kapseln, von denen Ili sich ern?hren kann, damit sie unabh?ngig überleben kann. Ihr Blick ruht auf einem Schild im Schaufenster eines Schuhladens: "Ladenlokal zu vermieten. Ritsch Immobilien."

  Ili linst durchs Schaufenster und sieht im Hintergrund des Schuhladens einen leblosen ?lteren Mann, der sich an einem Seil aufgeh?ngt hat. Zu seinen Füssen kniet eine, offensichtlich verzweifelte, junge Frau.

  Lautlos betritt Ili den Laden ...

  ... und n?hert sich der jungen Frau.

  Ili: "Was ist passiert?"

  Die junge Frau f?hrt herum und zeigt ihr erschrockenes und Tr?nen überstr?mtes Gesicht.

  Ili berührt den K?rper des Mannes und sagt mit geschlossenen Augen: "Alles Leben ist weg."

  Die junge Frau schreit: "Was tun Sie da?! Mein Vater hat sich umgebracht! Gehen Sie weg von ihm!"

  überrascht von dem Zornesausbruch, schaut Ili die Frau mit grossen, neugierigen Augen an, w?hrend die Frau den Blick mit Wut und Verzweiflung erwidert.

  Ili l?sst den Mann los und l?sst sich langsam zu der Frau auf die Knie sinken.

  Wie Ili vor der Frau kniet, fasst sie die Frau bei den Schultern, die es irritiert geschehen l?sst.

  Ili, konzentriert, mit geschlossenen Augen: "In dir ist grosses Schmerz, das dein Denken verwirrt."

  Der Frau ist es nicht geheuer.

  Ili legt ihre H?nde auf den Bauch der Frau und sagt wie oben: "Ich werde das Schmerz schw?chen. Dann kannst du mir sagen, was ist."

  Die Frau will die vibrierenden H?nde von Ili ergreifen, um sie weg zu stossen, ...

  ... h?lt aber erstaunt inne, wie sie die wohltuende Wirkung von Ilis Vibrationen spürt.

  Frau, es geschehen lassend, mit geschlossenen Augen: "Was tun Sie?"

  Ili, wie oben: "Ich gebe deinen Nerven angenehme Schwingungen, sodass sie die Schmerzen vergessen."

  Frau, entspannter: "Aber mein Vater ist tot. Ich kann doch nicht einfach den Schmerz 'vergessen'."

  Ili, wie oben: "Was hat das Vater get?tet?"

  Frau, wie oben: "Ritsch hat unser Haus gekauft und danach die Miete verdoppelt. Mein Vater konnte die Miete nicht mehr bezahlen. Ritsch hat uns aus der Wohnung und aus dem Gesch?ft geworfen. Ab morgen sind wir ... bin ich obdachlos. Deshalb hat sich mein Vater umgebracht."

  Ili, mit offenem, hellem klarem Blick: "Dann hat Ritsch dein Vater get?tet."

  Schuhverk?uferin, mit gesenktem Blick, entspannt und traurig zugleich: "Ja, gewissermassen."

  Ili, wie oben: "Wie kann Ritsch dein Haus wegnehmen?"

  Schuhverk?uferin, etwas befremdet über Ilis Unwissenheit: "Er hat das Haus gekauft. Jetzt geh?rt es ihm und er kann sagen, wer darin wohnen darf."

  Ili: "Wie kann Ritsch ein Haus haben, das es gar nicht braucht?"

  Schuhverk?uferin, wie oben: "Er ist stinkreich und kauft die ganze Stadt auf. Dann kann er sagen, wer wo wohnen darf."

  Ili, Stirn runzelnd: "Warum sagst du nicht nein?"

  Die Schuhverk?uferin betrachtet Ili mit einem langen Blick ...

  ... und sagt nachdenklich: "Sie meinen, wir sollten uns wehren?"

  Ili: "Wenn viele kein Haus mehr haben, k?nnen alle zu Ritsch gehen und nein sagen. Ritsch ist allein."

  Erst jetzt mustert die Schuhverk?uferin Ili und denkt: 'Wer ist sie? Warum spricht sie so seltsam? Und diese Z?hne?'

  Ili hat sich erhoben und sagt ernst: "Wir haben Ritsch nicht gerettet, damit es hier Menschen t?tet. Wenn du willst, kann ich Ritsch für dich t?ten."

  Die Schuhverk?uferin starrt Ili mit offenem Mund an ...

  ... und sagt verunsichert: "Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist."

  Schuhverk?uferin denkt: 'Ist sie geistesgest?rt?'

  Ili, den Laden verlassend: "Ich gehe schauen, wie viele Ritsch noch t?tet."

  Vor dem Schuhladen stehend, sieht Ili unz?hlige Plakate der Ritsch Immobilien, auf denen Wohnungen, Gewerber?ume, Ladenlokale oder ganze Liegenschaften zum Mieten angeboten werden.

  Ili kehrt zurück zu der etwas ver?ngstigt wirkenden Schuhverk?uferin.

  Ili: "Es hat viele Schilder. Ist hinter jedem Schild ein Totes?"

  Schuhverk?uferin, der Ili unheimlich ist: "Ich glaube nicht. Aber bei jedem Schild wird jemand raus geworfen und muss dann im Freien leben."

  Wie Ili n?her kommt, beginnt die Schuhverk?uferin ?ngstlich zu zittern.

  Ili: "Warum zitterst du? Hast du immer noch Schmerzen?"

  Ili kniet sich hin zu der Schuhverk?uferin und betrachtet sie mit einem offenen, interessierten Blick.

  Schuhverk?uferin, wie oben: "Ich weiss nicht, wer Sie sind."

  Ili, wie oben: "Du hast Angst vor dem, das du nicht kennst?"

  Schuhverk?uferin, wie oben: "Sie reden so seltsam ... und Ihre Z?hne ..."

  Ili, wie oben: "Ich bin noch jung und muss noch viel lernen. Aber ich t?te nur, wenn es n?tig ist. Du brauchst kein Angst haben."

  Schuhverk?uferin, etwas hysterisch lachend: "Ich sitze vor einer Killerin und soll keine Angst haben?!"

  Ili, wie oben: "Ich bin kein Killer. Ich bin ein Spion. Ich muss aufpassen, dass die Natürlichen nichts tun, was Genville bedroht."

  Schuhverk?uferin, staunend und angstvoll zugleich: "Sie sind ein Genmon..."

  Ili, l?chelnd: "Ja, hast du jetzt Hass für mich?"

  Schuhverk?uferin, verwirrt von der Frage und verloren, weil ihre Situation so bedrückend ist: "Hass? Ich habe keine Kraft mehr für Hass. Meine Zukunft besteht nur noch aus Angst."

  Ili, tr?stlich: "Das Leben ist verletzlich. Das Erde ist ein Feuerball, das jedes Zeit durch das Kruste brechen und alles t?ten kann. Das All ist kalt und schickt grosse Felsen, die uns ausl?schen k?nnen. Es ist nichts da, das uns in die Arme nimmt. Das Angst ist immer da. ..."

  Schuhverk?uferin, verloren: "Und das soll mich tr?sten?"

  Ili, mit grossem, offenem Blick: "Weisst du, was am besten ist gegen das Angst?"

  Schuhverk?uferin, verzweifelt: "Ja, der Tod. Mein Vater hat sich deswegen umgebracht."

  Ili, wie oben: "Am besten gegen das Angst ist das W?rme des andern."

  Die Schuhverk?uferin h?rt es mit grossen Augen ...

  ... und wiederholt mit entrücktem Blick: "Die W?rme des andern ..."

  Schuhverk?uferin, traurig: "Aber die Menschen sind so kalt."

  Ili, wie oben: "Wenn ich an Genville denke, wird mir ganz warm. K?nnen die Natürlichen nicht auch so warm sein wie die Genvilles?"

  Schuhverk?uferin, mit grossen Augen: "Ist es, weil die Genvilles in Not sind? Auch Menschen k?nnen manchmal solidarisch sein, wenn sie in Not sind."

  Ili, kichernd: "Die Genvilles sind warm, weil sie warm sind. Ganz ohne Not."

  Die Schuhverk?uferin schaut Ili mit grossen Augen an.

  Ili, intensiv: "Geh zu den vielen ohne Haus und gib ihnen W?rme. Dann geht zu Ritsch und holt euch die H?user zurück."

  Die Schuhverk?uferin schaut, als h?tte sie eben eine Offenbarung erhalten.

  Ili erhebt sich und sagt kichernd: "Ich muss weiter schauen gehen, wie die Natürlichen uns umbringen wollen."

  Schuhverk?uferin, befremdet und staunend: "Wir wollen alle Genmonster vernichten und Sie helfen mir. ... Warum?"

  Ili ergreift mit beiden H?nden den Kopf der Schuhverk?uferin, was diese erschreckt.

  Ili, sanft: "Ich spüre, wie deine Gedanken so geschehen, wie das Blut durch dein K?rper fliesst. Du kannst nichts dafür, dass sie geschehen und du ein unglückliches Bedürfnisstruktur hast. Wenn meine Gedanken und meine H?nde in dir ein wohliges Gefühl erzeugen, empfinde auch ich ein wohliges Gefühl. Ich geschehe in dir und du geschiehst in mir. Und für ein Augenblick ist Frieden."

  Die Worte berühren die Schuhverk?uferin so, dass Tr?nen in ihren Augen glitzern.

  Wie die Blicke der beiden verschmelzen, glitzern auch in Ilis Augen Tr?nen.

  Wie Ili zur Tür geht, sagt die Schuhverk?uferin aufgewühlt: "Ich habe noch nie jemanden wie Sie getroffen. Kann ich Sie irgendwie erreichen?"

  Ili dreht sich um und sagt mit etwas traurigem L?cheln: "Nein, die Natürlichen dürfen nicht wissen, wo ich bin, sonst t?ten sie mich. ... Ich bin ..."

  Ili macht sich unsichtbar, kichernd: "... unsichtbar."

  Fassungslos starrt die Schuhverk?uferin auf die Stelle, wo Ili eben noch war.

  The narrative has been taken without authorization; if you see it on Amazon, report the incident.

  Wie die Ladentür, von unsichtbarer Hand bewegt, ins Schloss f?llt, denkt die Schuhverk?uferin erschüttert: 'Habe ich Halluzinationen? ... Drehe ich langsam durch? ...'

  Wie bet?ubt, verl?sst die Schuhverk?uferin den Laden ...

  .. und geht in dieser Verfassung langsam durch Natural City, ...

  ... bis sie, zwischen verfallenden Geb?uden, auf einen Platz mit zahlreichen Obdachlosen trifft.

  Unsichtbar steht Ili in einem toten Winkel des Platzes und denkt: 'Ist das jetzt ein Ende oder ein Anfang?'

  Die Schuhverk?uferin setzt sich auf ein M?uerchen ...

  ... und betrachtet bedrückt die elenden Gestalten, die alle mehr oder weniger isoliert vor sich hin starren oder in kleinen Gruppen zusammen hocken oder stehen, und denkt: 'Ich bin jetzt eine von ihnen.'

  Ili denkt: 'Diese Leute sind alle so geschw?cht. Das wird nie etwas.'

  Ili tritt hinter einen Sichtschutz, ...

  ... macht sich sichtbar ...

  ... und geht auf die Schuhverk?uferin zu, ...

  ... welche Ili verblüfft wahrnimmt.

  Wie Ili neben der Schuhverk?uferin steht, reisst sie ein grosses Stück um den Bauch aus ihrem Kleid ...

  ... und h?lt den Fetzen der Schuhverk?uferin hin, die befremdet schaut.

  Ili: "Das ist ein lebendes Kleid. Es braucht deine Ausscheidungen und Sonne und Luft."

  Schuhverk?uferin, Stirn runzelnd den Fetzen betrachtend: "Ich soll da rein kacken und pinkeln?"

  Ili: "Ja, dann kann es wachsen."

  Schuhverk?uferin, angeekelt: "Und was bringt das?"

  Ili: "Es putzt dein ganzes K?rper, gibt warm ..."

  Ili reisst eine der Kapseln um ihren Hals ab: "... und macht Nahrung."

  Die Schuhverk?uferin h?rt es ungl?ubig.

  Ili wirft sich die Kapsel in den Mund

  Schuhverk?uferin, angeekelt: "Sie essen Ihre eigenen Ausscheidungen?"

  Ili, kauend: "Es ist ein Frucht. Ein gesundes Mischung aus allem, was dein K?rper braucht. Du kannst davon leben. Du musst nur Wasser trinken. Die Algensachen, die du jedes Tag isst, werden auch mit deinen Ausscheidungen gemacht."

  Schuhverk?uferin, verblüfft, weil sie sich dessen offenbar nicht bewusst war: "Ist das so?"

  Ili h?lt der Schuhverk?uferin eine Kapsel hin. Die Schuhverk?uferin be?ugt die Kapsel und sagt mit schmerzlichem L?cheln: "Aber bei den Algen ist es wenigstens nicht so ... direkt."

  Schuhverk?uferin, die andern Obdachlosen betrachtend, unglücklich: "Anderseits muss ich mich in Zukunft aus Mülltonnen ern?hren. Das ist mindestens so ekelhaft und dazu noch demütigend."

  Entschlossen ergreift die Schuhverk?uferin mit spitzen Fingern die Kapsel ...

  ... und wirft sie mit geschlossenen Augen, das Gesicht voller Widerwillen, in den Mund.

  Wie sie die Kapsel in Erwartung eines schrecklichen Erlebnisses zerbeisst, ...

  ... wechselt ihr Gesichtsausdruck zu Erstaunen ...

  ... und, immer noch mit geschlossenen Augen, ins Geniesserische.

  Wie sich ihre Augen ?ffnen, hat sich ihr Gesicht entspannt und sie sagt mit glitzernden Tr?nen: "Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so etwas Leckeres gegessen habe."

  Ili streicht der Schuhverk?uferin über den Kopf und sagt l?chelnd: "Es ist nicht nur lecker. Es putzt auch deine Z?hne. Und jedes Kapsel hat ein anderes Geschmack."

  Die Schuhverk?uferin schaut mit grossen Augen.

  Schuhverk?uferin, entschlossen: "Was muss ich tun?"

  Ili: "Trag das Stück zwischen deinen Beinen und ern?hre es. Dann w?chst es und hüllt dein K?rper ein. Das braucht nur ein Tag. Dann kannst du essen. Danach kannst du ein Stück raus reissen und es einem andern geben. So haben hier bald alle ein lebendes Kleid."

  W?hrend sie sich Ilis Fetzen in die Unterw?sche stopft, sagt die Schuhverk?uferin: "Vorhin, als Sie pl?tzlich verschwanden, dachte ich, es sei alles nur Einbildung gewesen. Und vielleicht ist das Ganze nur Versteckte Kamera. Wenn ich mir dann in die Hose gemacht habe, kann das Publikum brüllen vor Lachen, weil ich so dumm war, so einen Schmarren zu glauben. Aber wenn du ganz unten angekommen bist, greifst du nach jedem Strohhalm."

  Ili h?lt der Schuhverk?uferin eine Handvoll ihrer Nahrungskapseln hin, kichernd: "Ich weiss nicht, was ein Strohhalm ist, aber greif lieber nach diesen Kapseln. Sie geben dir Kraft."

  Schicksalsergeben greift die Schuhverk?uferin nach einer Kapsel ...

  ... und l?sst sie geniesserisch im Mund zergehen.

  Wie die Schuhverk?uferin die letzte Kapsel gegessen hat, sagt sie mit geschlossenen Augen, als w?re sie im Siebten Himmel: "Ist da eine Droge drin? Ich fühle mich pl?tzlich so ..."

  Ili: "Dein K?rper braucht Stoffe, um dich glücklich zu machen. Vielleicht fehlen die im Algenessen. Aber jetzt bekommst du sie. ..."

  Ili, auf die kleinen Kapseln um ihren Hals deutend: "... Siehe, die Kapseln wachsen schon nach. Niemand wird lachen, wenn du in das Hose machst."

  Die Schuhverk?uferin schaut mit grossen Augen auf die nach wachsenden Kapseln.

  Szeneanfang:

  In Genville steht Antara auf der Bühne vor dem grossen Bildschirmwesen und sagt: "Ihr habt jetzt das Reportage von Iris und Ewald gesehen. Es geht darum zu entscheiden, ob wir die Lichtwesen auf das Erde bringen, um ihnen ein Abwechslung auf ihrem Jahrtausende w?hrenden Reise durch das Dunkelheit zu bieten."

  Auf den R?ngen sitzen alle, die in Genville leben: Caesar, DOI, Held, Yon, Lapsus, Beckett, Sokrates, Kafka (die Grossdois sitzen wohl eher daneben), Endo, die vier Schwestern, Chromos 5, Aladan, Estragon, Meer, Martin, Myrta, Iris, Ewald, die Nutzwesen, Flu, Meneor. Mangels Platz nimmt Lebensinsel von der Wüste aus an der Versammlung teil.

  Allgemeines Schweigen.

  Aladan ruft sp?ttisch: "Warum so schüchtern?! Ihr seid doch sonst auch um kein dummes Spruch verlegen!"

  Kichern der Genvilles.

  Wagon, l?chelnd: "Wir sind ja auch noch nie Aliens begegnet."

  Iris, sarkastisch: "Ha, ihr Genmonster seid doch für dieses Erde auch wie Aliens."

  Sokrates: "Diese Wesen haben auch Gefühlsenergie. Worin besteht also das Unterschied zwischen euch und ihnen?"

  Das Publikum starrt Sokrates verblüfft an.

  Chromos 5, breit l?chelnd: "Ein erfrischendes Sicht der Dinge! Alles, was fühlt, ist gleich. Unterschiede sind subjektiv und eigentlich pures Willkür."

  Hisch, ?tzend: "Dieses Meinung waren die Stomps auch. Deshalb haben sie alles gleich gemacht, n?mlich platt. Da lob ich mir unser pures Willkür, sie zu vernichten."

  Kafka: "Das Gefühlsenergie fliest hin und her. Aber schon jetzt ist klar, zu welchem Handeln es führt."

  Estragon, l?chelnd: "Na, da bin ich aber gespannt, zu welchem Schluss die elektronischen Bewusstseine bei dem Berechnung des Gefühlsenergiestroms kommen."

  Beckett: "Euer Bedürfnisstruktur enth?lt viel Neugier und wenig Angst. Ihr werdet die Lichtwesen auf das Erde bringen, um zu sehen, was geschieht."

  Meer, grinsend: "Die paar Genvilles entscheiden also und die Millionen Natürlichen, die alle ein Riesenangst vor Fremden haben, müssen es schlucken."

  Sokrates: "Die Natürlichen werden die Lichtwesen essen?"

  Allgemeines Gel?chter.

  Meer, lachend: "Sie werden sie nicht essen. Sie werden auf sie schiessen."

  Sokrates: "Ist das besser?"

  Meer, ernster: "Nein Sokrates, aber das Natürliche endet meistens in einem Katastrophe."

  Martin, mit unfrohem L?cheln: "Nachdem wir also die Millionen Stimmen der Natürlichen für ungültig erkl?rt haben, ..."

  Lara: "Halt, Martin. Du warst doch das Bürgermeister von Natural City. Sei du das Stimme der Natürlichen und sage uns ihr Meinung."

  Martin, schmerzlich: "Sie würden das Begegnung mit den Lichtwesen mit einem Armee flankieren. Und sobald sie das geringste Anzeichen eines Aggression zu entdecken glauben, würden sie schiessen und ein Krieg beginnen. ... Ich kann leider nichts Gutes verheissen."

  Ewald: "Immerhin ist Genville ihnen begegnet, ohne ein Krieg zu beginnen ..."

  Lebensinsel: ""Aber auch wir hatten ein Armee zum Sicherheit. Ich h?tte die Angreifenden in Schnelles Energie verwandelt, um uns zu schützen.""

  Meneor, grinsend: "Nur weil du weniger Angst hast, musst du ja nicht dumm sein."

  Chromos 5: "Ist es ein Dummheit, sie auf das Erde zu bringen? Was gewinnen wir? Was riskieren wir?"

  Antara: "Vielleicht gewinnen wir Freunde ..."

  Held, finster: "... Oder wir verlieren die Erde. Wer sagt uns, dass die Lichtwesen Antara nicht ersetzt haben durch eine Marionette, die uns von der Harmlosigkeit der Lichtwesen überzeugen soll. Und kaum sind sie hier, beginnen sie mit einer Invasion."

  Der Gedanke ist so verblüffend, dass alle Antara anstarren, als k?nnten sie dadurch heraus finden, ob sie eine Marionette ist.

  Iris, nachdenklich: "Nun ja, sie haben Wandlerzellen. Damit k?nnen sie einiges bewirken. Aber dann h?tten sie alle, die ihnen begegnet sind, ersetzen müssen, damit niemand gegen sie spricht. ..."

  Iris, kichernd: "... Und, ehrlich gesagt, ich fühle mich nicht ersetzt."

  Myrta, lachend: "Ja, und ich auch nicht. Wer von euch glaubt, dass es ihnen gelungen w?re, ein m?chtiges Wesen wie Lebensinsel zu 'ersetzen'?"

  Lebensinsel: ""Ich bin schliesslich unersetzlich, hahaha.""

  Allgemeines Gel?chter.

  Yon, gedankenverloren: "Guards sehen alles zu sehr aus der Sicht von Soldaten. Aber diese Wesen haben sich offensichtlich seit Jahrtausenden nicht mehr bekriegt. Vielleicht ist Krieg für sie sogar ... unvorstellbar."

  Meer, grinsend: "Dann sollten wir ihnen empfehlen, sich von den Natürlichen fern zu halten."

  Hisch: "Dafür gibt's noch andere Kandidaten. Mich schaudert das blosse Gedanke, dass sie ein nettes Gespr?ch mit den Schleiern des Nacht suchen k?nnten. Unser Planet ist so was von verseucht mit gef?hrlichen Existenzen, dass ein Einladung zu seinem Besuch ein ?usserst fragwürdiges Geschenk ist."

  Aladan, lachend: "Wir sagen ihnen einfach: 'Haltet euch fern von allem, was sich bewegt!'"

  Endo, etwas bedrückt: "Wir Gentechniker haben auch unbewegliche Killerpflanzen entwickelt."

  Bioskop, lachend: "Wir wollten heraus finden, ob die Lichtwesen ein Gefahr sind für uns. Und nun stellen wir fest, dass unser Planet ein Gefahr für sie ist. Es ist, wie Beckett sagt: Wir haben uns insgeheim schon entschieden, weil wir gierig auf Neues sind."

  Chromos 5, l?chelnd: "Die Bedürfnisse formen das Verstand. ..."

  Chromos 5, interessiert: "... Als ihr Einlass hattet in das kollektive Bewusstsein der Lichtwesen, habt ihr da ein m?chtiges Bedürfnis gespürt, welches ihr Verstand formen würde?"

  W?hrend sich aller Augen unwillkürlich auf Antara richten, beobachtet Iris staunend die Genvilles und denkt: 'Es ist wirklich so, wie Myrta gesagt hat: Dieses Blick der Genvilles. Dieses helle Wachheit, vor dem jedes Lug zerbr?selt. Dieses vollkommene Aufmerksamkeit, das dich umf?ngt wie ein Umarmung, sodass jedes Einsamkeit in Sekunden verdampft. ...'

  Antara, melancholisch l?chelnd: "Da mein Echtheit bezweifelt wird, m?chte ich, dass Iris antwortet. Es betrachtet die Dinge oft aus einem andern Winkel und hat mehr Erfahrung mit Hinterh?ltigkeit und Niedertracht."

  Wie diese Genville-Blicke pl?tzlich alle auf ihr ruhen, wird sie durchflutet von einer nie gekannten Woge wohlwollender Aufmerksamkeit, die ihren Puls beschleunigt und ihr eine G?nsehaut beschert.

  Iris schliesst die Augen und denkt voller Wohlbehagen: 'Bisher war mein Publikum stets ein widerliches, vor Geilheit auf Sensationen sabberndes Haufen. ... Deshalb konnte ich Idiot nicht sehen, wie ganz anders die Genvilles sind. ...'

  Iris ?ffnet die Augen, mit Tr?nen: "Verzeiht mir. Ich habe eben etwas begriffen, was ich schon lange h?tte begreifen sollen. Ich muss mich zuerst fassen. ..."

  Estragon, freundlich: "Warum l?sst du uns an deinem Begreifen nicht Teil haben?"

  Iris, vor sich hin: "Ach, es ist doch bloss ..."

  Iris, schüchtern l?chelnd: "... Ihr Genvilles seid das freundlichste Publikum, das ich je hatte."

  Hilfsorgane gr?lt: "Ja, das h?ttest du wirklich schon lange begreifen sollen!"

  Allgemeines Gel?chter.

  Auch Iris muss lachen.

  Iris, l?chelnd: "Aber nun, nach diesem obligaten Ausflug in das Heiterkeit, zu Chromos 5s Frage: Mag sein, dass sie es gut versteckt haben, aber im ganzen Kollektivbewusstsein war nichts Dunkles. Da war kein Drache, das nach Vernichtung giert. Kein Gespenst, das Schrecken verbreiten will. Kein Vampir, das nach Blut dürstet. Es war ein starkes Sehnen nach Licht und Farbe in diesem endlosen Schw?rze des Kosmos. Ein Sehnen nach Impression, welches uns schon erfüllt, wenn wir ein Sekunde zu lange am selben Ort geweilt haben, geschweige denn erfüllen muss nach tausend Jahren."

  Wie Iris schweigt, l?sst das Publikum die Worte schweigend und tief beeindruckt auf sich wirken.

  Lebensinsel: ""Iris hat starke Worte. Ich kann sehen, wie die Zweifel schmelzen. Aber wenn jemand unsicher ist und sich selber überzeugen m?chte, bringe ich es zu den Lichtwesen.""

  Held, sarkastisch: "Die Lichtwesen haben sich genetisch selber optimiert, sind also eine Art Genmonster. Und da diese Erde voller Genmonster ist, kommt es wohl auf eine Spezies mehr oder weniger nicht an."

  Hisch ruft kampfeslustig: "Meneor wird uns sagen, welches Spezies wir als n?chste ausl?schen! Dann gibt's Platz für die Lichtwesen!"

  Meneor: "Die Schleier des Nacht."

  Wagon, schmerzlich: "Uff, die habe ich in ungutem Erinnerung."

  Flu, grinsend: "Ich nicht."

  Gel?chter unter denen, die dabei waren.

  Endo: "?hm, warum ist das lustig?"

  Hisch, grinsend, ruft: "Flu, zeig's ihm!"

  W?hrend Flu grinsend 'Flu Flu Flu' macht, stieben alle, die es kennen, von Flu weg, sehr zum Befremden der übrigen.

  Wie Flus übler Gestank die Nasen der übrigen erreicht, zeigt sich auf ihren Gesichtern Ekel und Begreifen zugleich ...

  ... und auch sie suchen das Weite, sodass der grinsende Flu allein dasteht.

  Antaras Silber helles Lachen steigt zum Himmel. Hisch, mit Blick auf Antara, grinsend: "Na, das war das Spass doch wert."

  Iris, l?chelnd: "Wenn Antara lacht, lacht das Himmel."

  Sokrates, zum Himmel blickend: "Wo lacht das Himmel?"

  Beckett und Kafka suchen auch im Himmel.

  Lara, lachend: "Im Herzen, ihr Blechbüchsen, im Herzen!"

  Allgemeines Gel?chter, w?hrend sich die Grossdois ratlos anschauen.

  Szeneanfang:

  Gegen Abend haben sich auf dem Obdachlosenareal einige Obdachlose, die bereits Ilis Kleid tragen, um die Schuhverk?uferin versammelt. Sie sitzen entspannt beieinander.

  Schuhverk?uferin: "Gegen Ritsch ist jeder einzelne von uns v?llig ohnm?chtig. Wir sollten uns zusammen schliessen und eine Art Mafia bilden, die zusammen h?lt wie Pech und Schwefel."

  Obdachloser 1: "Und woher kriegen wir Waffen?"

  Obdachloser 2: "Du willst bloss der Boss sein."

  Schuhverk?uferin: "Unsere Waffe ist die Solidarit?t. Unser Boss ist die gemeinsame Entscheidung. Wir sollten uns Genossenschaft nennen."

  Obdachloser 3: "Klingt aber nicht nach einer schlagkr?ftigen Truppe."

  Schuhverk?uferin, zum Obdachlosen 3: "Wen willst du schlagen? Willst du einen Krieg anzetteln? Und welche Chance h?tten wir denn, wenn Ritsch uns Polizei und Armee auf den Hals hetzt?"

  Nachdenkliches Schweigen im Publikum.

  Obdachloser 3, etwas hilflos: "Aber was k?nnen wir dann tun?"

  Schuhverk?uferin: "Wir haben eine einfache Forderung: Wir wollen wohnen! Damit und mit gewaltfreien Aktionen treiben wir Ritsch so lange in die Enge, bis er einknickt und uns wieder Wohnraum zur Verfügung stellt."

  Obdachloser 4, auf das kleine Publikum weisend: "Aber mit den paar Leuten hier wird das nichts. Dazu brauchen wir so viele, dass sie uns nicht alle auf einmal ins Gef?ngnis stecken k?nnen."

  Obdachloser 5, grinsend: "Im Gef?ngnis h?tten wir wenigstens ein Dach über dem Kopf."

  Gel?chter.

  Schuhverk?uferin: "Dann lasst uns unser Kleid verteilen. Und alle, die es tragen, sollen zur Genossenschaft geh?ren. Bis wir genug Leute sind, k?nnen wir gemeinsam gewaltfreie Aktionen planen."

  Sp?ter. Es ist Nacht. Die Genossenschaft schl?ft, beleuchtet von den tanzenden Flammen eines Feuers, was der Szenerie etwas Geheimnisvolles verleiht.

  Ein Obdachloser ohne lebendes Kleid beobachtet müde die Schlafenden und murmelt vor sich hin: "Ein lebendes Kleid ... Was für ein Müll ... Ein Kleid kann nicht leben ..."

  Stirn runzelnd beobachtet er, wie sich bei einem Genossenschafter Ausl?ufer des Kleides den Hals hoch schl?ngeln, und murmelt: "... Ich habe zu viel gesoffen ..."

  Wie die Ausl?ufer sich übers Gesicht bis in die Haare ausbreiten, starrt der Obdachlose mit offenem Mund auf das Ph?nomen, ...

  ... um dann seinen Nachbarn mit unsanften St?ssen zu wecken und zu sagen: "He, wach auf! Die Typen dort werden von ihren Scheisskleidern gefressen."

  Nachbar schlaftrunken: "Was laberst du da für einen Scheiss?"

  Obdachloser 1, den Nachbarn unsanft anstupsend und auf die Genossenschafter weisend: "Schau doch, Idiot!"

  Der stiere Blick des Obdachlosen 2 ...

  ... wandelt sich zu Fassungslosigkeit.

  Unwillkürlich greift Obdachloser 2 nach dem Hals einer leeren Flasche ...

  ... und geht, so bewaffnet, wankend auf die Genossenschafter zu. Obdachloser 1 weckt noch ein paar der anderen Obdachlosen.

  Das Grüpplein steht nur wenige Meter vor den schlafenden Genossenschaftern und beobachtet entsetzt, wie überall Ausl?ufer die freien K?rperstellen, wie H?nde, Füsse, Hals, Kopf, abtasten.

  Obdachloser 3: "Wie gruselig."

  Obdachloser 4: "Die Kleider fressen ihr Gehirn. Sie werden zu Zombies."

  Obdachloser 5: "Wie ich's gesagt habe: Da ist was faul an diesem Monsterkleid."

  Obdachloser 2, mit erhobener Flasche: "Sollen wir sie t?ten, bevor sie zu Zombies werden und uns auffressen?"

  Obdachloser 3, zitternd vor Angst: "Da geh' ich nicht n?her. Die Monsterkleider werden uns angreifen und auch in Zombies verwandeln."

  Obdachloser 5: "Wir sollten von hier verschwinden. Die Polizei kann die Zombies erschiessen. Wir nicht."

  Sp?ter. Es ist Morgen. Eine Genossenschafterin streckt g?hnend ihre Arme aus ...

  ... und f?hrt mit den H?nden durch ihr langes Haar, um es nach hinten zu drapieren.

  Verblüfft betastest sie ihr Haar, ...

  ... zieht ein Büschel vor ihre Augen, wo sie es ungl?ubig betrachtet und ruft: "Schaut euch das an!"

  Fragende Gesichter.

  Genossenschafterin, ihr Haar auf der Hand wiegend, voller Begeisterung: "Meine verfetteten, kaputten Haare sind pl?tzlich so sauber und seidig, als w?re ich über Nacht in einem Sch?nheitssalon gewesen."

  Unwillkürlich fahren sich die andern Genossenschafter auch durch ihre Haare und stellen staunend dasselbe fest.

  Schuhverk?uferin, scherzend: "Das Kleid hat uns über Nacht die Haare gewaschen."

  Gel?chter.

  Genossenschafter, stutzend: "Warum lachen wir? Gibt es denn dafür eine andere Erkl?rung?"

  Nachdenkliche Gesichter.

  Schuhverk?uferin, l?chelnd ihr Kleid t?tschelnd: "Danke, meine liebe Friseurin."

  Kichern.

  Schuhverk?uferin, mit Blick über das Obdachlosenareal, erstaunt: "Wo sind denn alle andern? Wir wollten doch neue Mitglieder für unsere Genossenschaft gewinnen."

  Schuhverk?uferin: "Na egal. Machen wir uns auf die Socken und suchen wir andere Obdachlose. Das dürfte ja dank Ritsch nicht allzu schwierig sein."

  Etwas sp?ter steht die Schuhverk?uferin vor einer Obdachlosen, die ruft: "Ich will doch kein Zombie werden!"

  Die Schuhverk?uferin mimt pl?tzlich mit ausgestreckten Armen Furcht erregend einen Zombie.

  Die Obdachlose weicht mit einem "Aaaahhh!" entsetzt zurück.

  Schuhverk?uferin, wieder "normal", tadelnd: "Bin ich vielleicht ein Zombie, du dumme Kuh?!"

  Die Obdachlose ist verwirrt, weiss nicht, was sie glauben soll.

  Schuhverk?uferin, ihr Haar hin haltend: "Das lebende Kleid hat über Nacht sogar mein Haar gepflegt. So sch?n war es noch nie. Fühl mal!"

  ?ngstlich und neugierig zugleich wagt die Obdachlose es, das Haar zu berühren, wobei sie gleichzeitig ihre eigenen fettigen Str?hnen befühlt.

  Obdachlose, fasziniert von dem sch?nen Haar: "Es ist wundersch?n."

  Die Schuhverk?uferin reisst ein Stück ihres Kleides heraus ...

  ... und h?lt es der Obdachlosen hin: "Wenn du auch solches Haar willst, dann stopfst du dir diesen Fetzen zwischen die Beine."

  Obdachlose, zweifelnd: "Kein Scheiss?"

  Schuhverk?uferin, lachend: "Doch, den Scheiss musst du da rein machen, sonst funktioniert die Sache nicht."

  Mit einem Ausdruck, der zeigt, dass sie sowieso nichts zu verlieren hat, stopft sich die Obdachlose den Fetzen in die Unterw?sche und sagt: "Scheiss drauf!"

  Schuhverk?uferin, lachend: "Ja genau!"

  Szeneanfang:

  Es ist Tag. Iris kommt an ihrem, bereits stattlichen Busch vorbei und sieht staunend die nun reifen Früchte.

  Spontan will Iris nach einer Frucht greifen, ...

  ... h?lt aber inne, wie ihr in den Sinn kommt, dass sie die erste Frucht mit Myrta zusammen essen wollte.

  Iris denkt l?chelnd: 'Mal sehen, mit wem sich Myrta wieder rum treibt.'

  Mit suchendem Blick spaziert Iris durch Genville, ...

  ... bis sie zum Weiher kommt, wo sie durch die Pflanzen hindurch sieht, wie Myrta und Caesar sich, in der Mitte des Weihers schwimmend, küssen.

  Iris denkt kichernd: 'Dieses Schlampe treibt's mit jedem. ...',

  ... um gleich darauf zerknirscht weiterzudenken: '... Sch?m dich, Iris! Hier gibt es keine Schlampen. Das ist ein Wort aus einem anderen Welt. Hier gibt es nur das freie Fliessen des Behagens. ...'

  Iris atmet mit geschlossenen Augen tief durch und denkt: '... Wenn ich nicht so ein verklemmtes Tussi w?re, würde ich mich ausziehen und ins Wasser springen. ...'

  Iris tritt mit etwas schr?gem L?cheln ans Ufer und ruft: "Das Prinzessin und das Kaiser, wie romantisch!"

  Myrta dreht sich lachend um. Caesar l?chelt.

  Iris, provozierend: "Und, Caesar, wie ist es so für ein machtgeiles Bock wie dich in diesem Tal der Gleichen?"

  Caesar, l?chelnd: "Ist das jetzt ein Interview?"

  Iris: "N?, bin bloss neugierig."

  Caesar: "Rückblickend muss ich sagen, dass das L?schen meines Herrschbedürfnisses war wie das Herausschneiden eines schmerzhaften Geschwulstes. Die Bedeutungen haben sich massiv verschoben, weil nichts mehr wichtig ist, was mit sozialem Rang zu tun hat."

  Iris: "Und was ist nun wichtig?"

  Caesar: "Das Verstehen des Universums ... Das Gestalten von Harmonie ... und: Ein Kuss von Myrta ist mehr wert als jedes Krone eines Kaisers ..."

  Erstaunt sieht Iris, wie Myrta weint, und fragt: "Myrta?"

  Myrta, glücklich und weinend zugleich: "Hat dich in Natural City je ein Mann mit einem Kompliment zum Weinen gebracht?"

  Iris erinnert sich, wie sie auf Meneors H?nden gestanden und wegen seines Komplimentes geweint hat, und sagt, die aufkommende Rührung unterdrückend: "?hm ... nein."

  Iris kann sich nicht l?nger beherrschen und bedeckt ihre Augen , um ihre Tr?nen zu verbergen.

  Myrta, besorgt: "Iris?"

  Iris, wie oben: "Diese verdammten Kerle ... Wir sind Wachs in ihren H?nden."

  Myrta ist aus dem Wasser gestiegen und steht nackt vor Iris. Myrta, l?chelnd: "Wenn sie mich auf dieses Weise zum Zerfliessen bringen, soll's mir recht sein."

  W?hrend Myrta sich das lebende Kleid überstreift, sagt Iris: "Das Iris-Busch tr?gt Früchte. Wollen wir sie zusammen probieren?"

  Iris' Hand ergreifend, nickt Myrta l?chelnd.

  W?hrend die beiden Hand in Hand durch Genville gehen, denkt Iris: 'Warum nimmt Myrta mein Hand? Es ist doch sonst so ein nüchternes Mensch.'

  Vor dem Iris-Busch bleiben sie stehen und betrachten neugierig die Früchte.

  Iris, z?gerlich: "Dieses 'Geschenk' der Nutzwesen hat bestimmt ein Haken."

  Myrta, zu Iris, grinsend: "Schlucken wir es?"

  Fr?hlich greifen sie gleichzeitig nach einer Frucht ...

  ... und beissen herzhaft hinein.

  Beide starren verblüfft auf die angebissene Frucht und rufen im Chor: "Himmel ist das k?stlich!"

  Geniesserisch verschlingen sie den Rest der Frucht, ...

  ... worauf beide vor Lust zu zittern anfangen.

  Iris, lustvoll st?hnend: "Auf jedem Nervenende tanzt ein Kobold, das mich kitzelt!"

  Myrta, lustvoll st?hnend: "Das ist ein kulinarisches Orgasmus!"

  Zitternd und weinend vor Glück, schauen sich die beiden an, ...

  ... umarmen sich spontan ...

  ... und küssen sich voller Leidenschaft, ...

  ... sinken, sich küssend, hin ...

  ... und lachen sich, am Boden liegend, sich umarmend, glücklich an.

  Iris drückt Myrta an sich und flüstert ihr ins Ohr: "Sind das Lesbenfrüchte? Sind wir jetzt Lesben?"

  Myrta, Iris anlachend: "Dummerchen, das ist das überschwang des Freude, das aus dir fliesst und das du teilen willst mit deinem N?chsten."

  Iris, Myrta anschauend, dankbar: "Ja, genau so fühlt es sich an."

  Iris, wie oben, schüchtern: "Habe ich jetzt erlebt, was Caesar gemeint hat mit 'Ein Kuss von Myrta ist mehr wert als jedes Krone eines Kaisers.'?"

  Myrta, l?chelnd: "In diesem Zustand überbordenden Glücks ist auch ein Kuss von Iris mehr wert."

  Iris: "Danke, dass du dieses Erlebnis mit mir teilst. Allein ist Glücklichsein doch irgendwie ... fad."

  Myrta: "Dieses Erlebnis hilft mir auch zu verstehen, was geschehen ist, seit ich Natural City verlassen habe. In Natural City musste ich das schreckliche Grausamkeit eines natürlichen Lebens verdr?ngen, um es zu ertragen. Mit verlogenen Geschichten von Erfolg, Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, Ruhm, Ehre, Tapferkeit etc. etc. habe ich mich betrogen. ..."

  Iris h?rt mit grossen Augen zu.

  Myrta: "... Diese Geschichten sind gleichsam auf dem Weg nach Genville in dem Wüste verdorrt und zu Staub zerfallen. In Genville beginnen wir bei null. Wir schreiben unsere Geschichten selbst. Das Glück findet nicht in einem Werbespot statt. Wir brauchen uns nicht zu verleugnen. Was schmerzt, ver?ndern wir. Was nicht wahr ist, hat kein Bestand. Ich m?chte auch dieses Genville-Blick haben, das mit dem S?ure des Wahrhaftigkeit alle Lügen zerfrisst."

  Iris h?rt mit grossen Augen zu.

  Iris: "Aber wenn du als Natürliches ein Genville sein willst, musst du dich da nicht verbiegen?"

  Myrta, geheimnisvoll l?chelnd: "Nicht unbedingt."

  Iris, begreifend: "Du hast dein Bedürfnisstruktur anpassen lassen!"

  Myrta: "Ja. Mein ohnehin schwaches Herrschbedürfnis ist jetzt ganz weg samt dem elenden Demütigungsschmerz. Lebensinsel hat das gut gemacht."

  Iris, verblüfft: "Du l?sst dir dein Bedürfnisstruktur von einem Raumschiff anpassen?!"

  Myrta, lachend: "Wie du das sagst, klingt's voll schr?g."

  Myrta, sanft: "Willst du mein Freund sein?"

  Iris, err?tend, verunsichert: "Ich weiss nicht. Ich hatte noch nie ein Frau als Freund. Da war immer dieses Kampf, wer besser aussieht, wer besser Arsch lecken kann, um es nach oben zu schaffen."

  Myrta: "Ich auch nicht. Diese Frauen, bei denen sich letztlich alles um das Befüllen des Geb?rmutter dreht, waren mir immer fremd."

  Iris, kichernd: "Dein nüchternes Betrachtungsweise ist auch ein Methode, die Dinge kritisch zu hinterfragen."

  Eine Zeit lang liegen sie einfach bei einander, schauen sich in die Augen.

  Iris, schüchtern: "Ich ... Es würde mich freuen, wenn du die Früchte dieses Busches jeweils mit mir zusammen geniessen würdest. ..."

  Myrta h?rt mit grossen Augen zu.

  Iris, wie oben: "... Auch wenn es immer dasselbe ist und mit dem Zeit langweilig wird ..."

  Myrta, gerührt: "Wie k?nnte ein Augenblick des Glücks langweilig werden?"

  Wieder schauen sie sich schweigend an.

  Iris, nachdenklich: "Wenn du schon vom Befüllen des Geb?rmutter gesprochen hast: m?chtest du trotzdem eines Tages Kinder?"

  Myrta, Stirn runzelnd: "Hm, die Genville-M?nner sind steril und sonst ist die Auswahl an Sperma nicht gerade berauschend."

  Iris muss Kopf schüttelnd lachen: "Da muss ich dir recht geben. Aber du k?nntest doch einfach zu Bioskop gehen und dir einen passenden Zappelphilipp basteln lassen, der dann von Hilfsorgane in dein Ei implementiert wird. Dazu brauchst du kein Sperma von unseren Holzk?pfen."

  Myrta, tief in Gedanken: "Weisst du, die Sache mit den Kindern, das ist so eine Sache. Auch wenn ich keinen Mutterinstinkt habe, dachte ich immer, Eltern würden ihre Kinder lieben. Aber warum sorgen sie dann nicht dafür, dass ihre Kinder in einer sorgenfreien Zukunft leben k?nnen, auch wenn die Eltern l?ngst gestorben sind?"

  Iris, überlegend: "Du meinst, da ist etwas faul?"

  Myrta, wie oben: "Ich habe immer versucht, die Dinge zu begreifen. Und wenn etwas nicht zusammen gepasst hat, habe ich darauf herumgekaut, bis ich den Fehler gefunden habe. Und hier war die Frage, wieso ist es den Eltern scheissegal, wenn's ihren Kindern nach ihrem Tod dreckig geht, weil ihre Lebensgrundlagen mehr und mehr zerst?rt werden?"

  Iris, unbehaglich: "Ich ahne Schreckliches."

  Myrta, nickend: "Für die Eltern sind die Kinder keine eigenst?ndigen Existenzen. Sie sind sozusagen Teil ihres K?rpers, mit dem sie ihre eigenen Bedürfnisse s?ttigen k?nnen. Die Kinder sollen ihnen Z?rtlichkeiten verschaffen und Anerkennung, wenn sie Karriere machen. Sie sollen Enkel fabrizieren, um den Eltern die Illusion von Unsterblichkeit zu schenken. Sie dürfen nichts tun, wofür die Eltern sich sch?men müssten. Und natürlich sollen sie t?glich das Herrschbedürfnis der Eltern s?ttigen, indem die Kinder ihnen Respekt erweisen, egal wie absurd das dafür notwendige Verhalten ist."

  Iris, studierend: "Aber haben die Eltern nicht das Gefühl, in ihren Kindern weiterzuleben, sodass sie doch eigentlich dafür sorgen müssten, dass sie dies in einer lebenswerten Welt tun k?nnen?"

  Myrta: "Das habe ich mich auch gefragt. Aber wenn du siehst, mit welcher Wucht die Natürlichen den Gedanken an den Tod verdr?ngen, weisst du, warum dieses Gefühl in ihrer aktiven Zeit keine grosse Rolle spielt. Und wenn sie dann auf dem Sterbebett liegen, k?nnen sie sich mit ihrem Weiterleben in den Kindern tr?sten, ohne sich Rechenschaft zu geben, dass sie alles vers?umt haben, um dieses Weiterleben zu erm?glichen."

  Iris, betroffen: "Wow. Das ist hammerhart. Und ich dachte immer, ich sei ein kaltes Biest, weil ich nichts mit Kindern anfangen kann ...

  Iris, schmerzlich lachend: "... Dabei bin ich nur eine Spur egoistischer als die Familienmenschen."

  Myrta, nachdenklich: "Oder vielleicht auch weniger egoistisch, weil du keine Kinder behandelst, als w?ren es deine Organe."

  Sie schauen sich lange schweigend an.

  Iris denkt: 'Ich habe noch nie einem Menschen so lange in die Augen geschaut.'

  Ruf aus dem Off: "Iris, komm suchen!"

  Myrta, kichernd: "Das Weg des Kriegers ruft."

  Iris erhebt sich, grinsend: "Will Meneor mit mir Ostereier suchen?"

  Myrta, aufstehend, lachend: "Ich glaube nicht, dass ihm Ostern ein Begriff ist. Und falls es mit dir Eier sucht, werden daraus Monster schlüpfen."

  Iris, seufzend: "Du sagst es. Ich ahne Schlimmes."

  Myrta, versonnen: "Dieses Gefühl habe ich früher nie gekannt. ..."

  Iris: "Was meinst du?"

  Myrta, wie oben: "... Dieses Vertrauen in jemand anders: Ich würde mein Leben bedingungslos jedem Genville anvertrauen."

  Iris, in sich gekehrt: "Jetzt, wo du es sagst ..."

  Iris, staunend über sich selbst: "... Ich würde mit Meneor durch das H?lle gehen."

  Meneor: "Ist das dieses Ort, wo es immer sch?n warm ist?"

  Myrta, lachend: "Unter diesem Gesichtspunkt hat wohl noch nie jemand das H?lle betrachtet."

  Iris lacht.

  Myrta registriert erstaunt, wie Iris ihre Hand auf Myrtas Schulter legt.

  Iris, l?chelnd: "Wollen wir Myrta auf unser Suche mitnehmen? Es braucht vielleicht auch ein paar Schritte auf dem Weg des Kriegers."

  Meneor wendet sich zum Gehen: "Gehen wir."

  Myrta, fragend zu Iris: "Das war dann wohl ein Ja?"

  Iris zuckt nicht wissend mit den Schultern.

  Die beiden Frauen folgen Meneor.

  Iris: "Und wohin gehen wir?"

  Meneor: "Ich weiss es nicht."

  Iris: "Und was suchen wir?"

  Meneor: "Die Schleider des Nacht."

  Iris, wenig begeistert: "Puhhh."

  Myrta: "Was ist das?"

  Iris: "Schwebende Schleier mit herab h?ngenden Giftf?den, die absolut t?dlich sind. Und davon gibt es etwa ein Million."

  Myrta: "Und was ist das Zweck des Besuchs?"

  Meneor: "Vernichtung."

  Myrta, sarkastisch: "Wir gehen also zu dritt auf ein Million Kampforganismen los? Na, das ist dann wohl ein ganz besonderes Schritt auf dem Weg des Kriegers."

  Iris kichert.

  Meneor dreht sich um und sagt grinsend: "Du bist lustig. Zuerst holen wir nur ein übersicht. Wenn wir nicht wissen, wo sie sind, k?nnen wir sie nicht vernichten."

  Myrta: "?hm ja, logisch. Aber das Wüste ist gross. Wir k?nnen ewig suchen."

  Sie verlassen Genville und treten in die Wüste hinaus.

  Meneor bleibt stehen, nüchtern: "Ewig ist zu lange. Wir fragen das Pilzwesen."

  Iris, begeistert: "Cool!"

  Myrta versteht nicht.

  Meneor: "Zeigen wir dem Pilzwesen die Schleier."

  Iris nickt.

  Myrta staunt: "Wie k?nnen wir etwas zeigen, das nicht da ist?"

  Iris: "Das Pilzwesen liest unsere Gedanken. Wir denken an die Schleier und hoffen, das Pilzwesen weiss, wo sie sind."

  Myrta weiss nicht, ob sie verschaukelt wird: "Und wie 'sagt' das Pilzwesen, was es weiss?"

  Iris: "Meneor liest seine Gedanken ... oder es macht uns ein Skulptur."

  Myrta, ungl?ubig: "?hm... na dann ist ja alles Sternen klar."

  Iris, kichernd: "Nun bin mal nicht ich es, das staunt."

  Myrta beobachtet gespannt, wie Meneor und Iris die Augen schliessen und sich konzentrieren.

  Myrta denkt: 'Die beiden verschaukeln mich. ... Aber wenn nicht, dann ...'

  Das Pilzwesen l?sst einen grossen Pfeil aus dem Boden wachsen.

  Verblüfft und erschüttert zugleich lacht Myrta auf.

  W?hrend Meneor sich weiterhin auf das Pilzwesen konzentriert, betrachtet Iris erstaunt das eher unglückliche Gesicht von Myrta und sagt: "Myrta, was hast du?"

  Myrta, tapfer: "Mir wird mehr und mehr bewusst, dass mein gesamtes, mühevoll erworbenes Wissen über Physik, Mathematik, Mechanik, Maschinenbau, Elektrik, Elektronik etc. etc. nur noch Müll ist, wenn es doch für alles so wunderbare biologische L?sungen gibt."

  überrascht von dem Gedanken und etwas hilflos, weil sie nicht weiss, was sie darauf erwidern soll, h?rt Iris zu.

  Meneor, aus dem Off: "Verstehen braucht Wissen. Wissen ist nie Müll."

  Myrta und Iris h?ren es verblüfft.

  Iris, l?chelnd: "Das Krieger hat gesprochen."

  Myrta, etwas hilflos: "Aber mein Wissen ist ... nutzlos."

  Meneor: "Die DOIs haben geholfen, Genville zu retten. Ohne deine Maschinen w?re Genville vielleicht tot. Die Gene k?nnen vieles, aber nicht alles. Es ist wie auf einem Bein stehen. Wenn du noch ein zweites Bein aus Maschinen hast, bist du doppelt so stark."

  Myrta starrt Meneor mit offenem Mund an.

  Iris, schwer beeindruckt, l?chelnd: "Ja, gell, Meneor wirkt immer wie das Dorfdepp. Und dann haut es solche S?tze raus!"

  Myrta betrachtet gerührt ihre H?nde und sagt leise: "Ich bin ... nicht nutzlos?"

  Iris, tr?stend zu Myrta: "Uns Natürlichen wurde von Kind an eingebl?ut, nützlich zu sein, ja niemandem zum Last zu fallen, bis wir nur noch schlottern vor Stress. Und vorhin haben wir fast geschrien vor Glück, obwohl wir nicht im Entferntesten irgendetwas Nützliches getan haben. War dieses Scheiss es nicht schon allein wert, am Leben zu sein? Gibt es kein Gnade für uns Natürliche, die wir doch eigentlich von Geburt an ziemlich nutzlos, wenn nicht sch?dlich sind?"

  Myrta, l?chelnd: "Wir sind in dem glücklichen Lage, uns selber begnadigen zu k?nnen?"

  Myrta und Iris schauen sich l?chelnd an, ...

  ... bis Myrta Iris spontan umarmt, was in dieser ein gewisses Unbehagen ausl?st.

  Wie sie sich wieder von einander gel?st haben, bemerkt Iris Meneors Grinsen.

  Iris, Stirn runzelnd: "Was?"

  Meneor; wie oben: "Zuerst erzeugst du ein Umarmung. Und dann ist es dir unangenehm."

  Iris, schmollend: "Verdammtes Hirngucker!"

  Myrta kichert.

  Myrta, auf den Pfeil des Pilzwesens deutend: "Die Schleier des Nacht sind also in diesem Richtung?"

  Meneor: "Ja, aber da ist noch etwas."

  Ein weiterer Pfeil, der ungef?hr um neunzig Grad vom ersten abweicht, bricht aus dem Sand.

  W?hrend Meneor sich mit geschlossenen Augen auf das Pilzwesen konzentriert, quillt neben dem zweiten Pfeil Pilzmasse hoch, ...

  ... die sich vor den staunenden Augen der Frauen zu einer Spielzeugarmee aus Panzern, Lastwagen und Soldaten formt.

  Iris, alarmiert: "Da bewegt sich ein Armee auf Genville zu!"

  Myrta, zu Iris, staunend: "Du verstehst das?"

  Iris, zu Myrta, düster: "Die Schleier k?nnen Genville vernichten. Aber dieses Armee vielleicht auch."

  Myrta, beklommen: "Sind es vielleicht Natürliche, die Genmonster jagen?"

  Meneor: "Ja."

  Myrta, wie oben: "Genville besteht aus 'Genmonstern'."

  Iris, verunsichert: "Zwei Armeen bedrohen Genville. Was macht das grosse Krieger in diesem Lage?"

  Meneor, geheimnisvoll: "Wir geben ihnen, was sie wollen."

  Die beiden Frauen schauen ihn mit Fragezeichengesichtern an.

  Meneor packt die verblüfften Frauen um die Taille ...

  ... und rennt mit ihnen auf den Pfeil, der in Richtung der Schleier zeigt.

  W?hrend das Pilzwesen den Pfeil zu einem Schleuderarm umformt, ruft Meneor: "Festhalten!"

  Die Frauen klammern sich an Meneor fest ...

  ... und schon fliegen sie zu dritt in hohem Bogen durch die Luft.

  Iris geniesst es.

  Myrta schaut erschrocken und fasziniert zugleich in die Tiefe.

  Wie Myrta sieht, dass sie sicher auf dem n?chsten Schleuderarm landen, ...

  ... ruft sie lachend: "Dieses verrückte Kerl!"

  Myrta kuschelt ihren Kopf an Meneors Brust.

  Iris staunt: "Was wird das?"

  Myrta, mit geschlossenen Augen, l?chelnd: "Ein M?dchentraum wird wahr."

  Iris, verblüfft: "H??!"

  Myrta, wie oben: "In den Armen eines Superhelden durch das Luft fliegen."

  Iris staunt.

  Myrta, Iris anschauend: "Hattest du nie M?dchentr?ume?"

  Iris, Stirn runzelnd: "?hm, weiss nicht ... Hab sie wohl vergessen."

  Myrta, l?chelnd: "Dann nimm meines."

  Iris schaut mit grossen Augen ...

  ... und kuschelt sich dann wie Myrta, kichernd, an Meneors Brust.

  Iris, kritisch: "Dein durchgeknalltes Superheld will zwei Armeen besiegen."

  Myrta, etwas überdreht kichernd: "Na mindestens, sonst w?re es ja kein Superheld."

  Auf der H?he eines Sprungs, wo der Boden in Schwindel erregender Entfernung liegt, schauen die Frauen nach unten.

  Iris: "Das Adrenalinkick bei diesem Art des Fortbewegung l?sst uns ganz sch?n spinnen."

  Myrta, leicht zitternd: "Jetzt, wo du's sagst ..."

  Szeneanfang:

  Es ist Tag. Auf dem Obdachlosenareal haben sich an die hundert Mitglieder der Genossenschaft eingefunden. Die meisten sitzen auf Kisten oder kaputten Sofas oder ?hnlichem.

  Die Schuhverk?uferin steht mitten drin und spricht: "Wann habt ihr zum letzten Mal einer reichen Person die Hand geschüttelt?"

  Allgemeines Gel?chter.

  Obdachloser 1 ruft: ?Noch nie!?

  Obdachloser 2, auf seinen Hintern deutend: "Hier ist noch der Fussabdruck einer 'reichen Person', als sie mich aus der Wohnung gekickt hat."

  Schuhverk?uferin: "Die Reichen leben in ihrer eigenen Welt und haben jeden Bezug zu unserem Leben verloren. Falls sie durch eine Ungeschicklichkeit trotzdem an unser elendes Schicksal erinnert werden, beruhigen sie ihr Gewissen, indem sie an einer Spendengala teilnehmen. Dort bleiben sie natürlich auch unter sich. Ein klitzekleines Stück ihres riesigen Verm?gens lassen sie nach unten sickern, sodass wir verdankenswerterweise zu einem gebrauchten Wintermantel kommen. Dadurch fühlen sie sich als barmherzige Samariter und die unsch?ne ?ffnung in ihrer Reichenblase schliesst sich. …"

  Applaus.

  Obdachloser 3 ruft: "Gut gebrüllt! Aber was nützt uns das?"

  Obdachloser 4 ruft: "Wir müssen diese Blase anstechen!"

  Obdachloser 5 spottet: "Und wie willst du das machen? Dich mit einer Nadel auf ihren Schoss setzen?"

  Schuhverk?uferin, mit einer auffordernden Geste: "Genau das ist die Frage: Wie stechen wir die Reichenblase an, sodass sie unser Schicksal nicht mehr ausblenden k?nnen? Wer hat eine Idee?"

  Obdachloser 6: "Aber viele von uns sitzen auf der Strasse und betteln. Dort müssen sie uns doch sehen."

  Nachdenkliches Grummeln.

  Schuhverk?uferin: "Wenn wir betteln, sind wir verachtete Einzelne. Das Ausmass der Ungerechtigkeit wird erst sichtbar, wenn wir viele sind."

  Obdachloser 7, scherzhaft: "Na, dann betteln wir doch alle gemeinsam vor Ritschs Haus. Dann kann er uns nicht mehr übersehen, hahaha."

  Obdachloser 8, ernsthaft: "Und wenn wir statt dessen seinen Arbeitsweg s?umen? Wir stellen uns auf vor seinem Haus bis zum Büro mit einem Plakat in der Hand: Wir wollen wohnen!"

  Obdachloser 9, wenig begeistert: "Und wie lange müssen wir da stehen?"

  Obdachloser 8: "Nur so lange, bis er vorbei gefahren ist. Und dann wieder am Abend, wenn er nach Hause geht."

  Obdachloser 10: "Nun mach nicht so einen Müffel! Die Idee ist genial. Wir k?nnten auch Spalier stehen, wenn Ritsch zu einem Treffen geht."

  Obdachloser 11, schadenfroh: "Mann, der wird sch?umen vor Wut."

  Schuhverk?uferin: "Wer m?chte bei Ritsch Spalier stehen? Bitte Hand hoch."

  Fast alle H?nde schiessen hoch. Und ein Hoffnungsschimmer erhellt die Gemüter.

  Schuhverk?uferin, zufrieden: "Dann lasst uns jetzt Plakate machen."

  Szeneanfang:

  Am n?chsten Morgen verl?sst Ritsch das Gel?nde seiner Villa …

  … und bemerkt den ersten Obdachlosen mit dem Schild: "Wir wollen wohnen!"

  Zynisch l?chelnd geht Ritsch weiter, …

  … bemerkt die n?chste Obdachlose mit ihrem Schild …

  … und sagt ?tzend zu ihr: "Wer Geld hat, kann auch wohnen."

  Obdachlose, etwas schüchtern, aber im vollen Bewusstsein, dass sie im Recht ist: "Wie kann ich Geld haben, wenn alles dir geh?rt?"

  Ritsch ist verdutzt …

  … und brüllt voller Zorn: "Seit wann duzen wir uns?!"

  Ritsch geht weiter und schimpft zornesrot vor sich hin: "Kein Geld haben und auch noch frech werden."

  Ritsch setzt sich in eine selbst fahrende Kabine …

  … und f?hrt voller Grimm die Parade der Obdachlosen mit ihren Schildern ab.

  Vor dem Eingang zu Ritschs Wolkenkratzer wartet die unsichtbare Ili und beobachtet, wie Ritsch aus der Kabine steigt.

  Wie Ritsch durch den Haupteingang schreitet, kann Ili ihm mühelos durch die sich automatisch ?ffnende Tür folgen.

  W?hrend sich vor den anderen Liften Menschentrauben bilden, kann Ritsch seinen Privatlift allein betreten. Lautlos folgt ihm Ili …

  … und steht v?llig ger?uschlos kaum einen Meter von Ritsch entfernt im Lift.

  Ili sieht Ritschs Faust auf sich zurasen, …

  … duckt sich Blitz schnell, w?hrend Ritsch kochend vor Wut schimpft: "Dieser Abschaum, dieses minderwertige Pack wagt es, mich heraus zu fordern."

  Ohne seine Sekret?rin eines Blickes zu würdigen, stürmt Ritsch auf seine Bürotür zu.

  Sekret?rin, eingeschüchtert: "Guten Morgen, Herr Direktor Ritsch."

  Mit Schlangen gleicher Anmut gelingt es Ili, sich neben Ritsch durch die Tür?ffnung zu winden.

  Ritsch schmeisst die Tür mit einem Knall ins Schloss, …

  … stürmt auf sein Pult zu …

  … und bellt ins Telefon: "… Was gedenken Sie gegen diesen Abschaum zu unternehmen?!"

  Sein Gespr?chspartner ist der Chef der Security Guard, der ruhig antwortet: "Was soll ich tun? Diese Leute stehen bloss herum und halten ein Schild in der Hand. Das verst?sst gegen kein Gesetz."

  Ritsch, wie oben: "Sie haben sich entlang meines Arbeitsweges aufgestellt. Ist das etwa keine Bel?stigung, N?tigung, Erpressung, Stalking, Rufmord …"

  Chef der Security Guard, wie oben: "Die Forderung der Demonstrierenden ist allgemeiner Natur. Auf keinem Schild steht Ihr Name. Es gibt auch kein Gesetz, das verbietet, entlang Ihres Arbeitsweges zu demonstrieren."

  Ritsch, wie oben: "Dann erlassen Sie eben eine Vorschrift, die das verbietet."

  Chef der Security Guard, wie oben: "Gesetze erl?sst das Parlament. Ich bin bloss Chef der Exekutive."

  Ritsch knallt den H?rer aufs Telefon und flucht: "Was für ein unf?higes Arschloch! Bis meine bestochenen Schweine im Parlament ein Gesetz durch gebracht haben, dauert es Monate. Demokratie ist zum Kotzen!"

  Finster vor sich hin starrend, sitzt Ritsch am Pult.

  Ili steht hinter ihm mit zum Zubeissen bereiten Z?hnen und denkt: 'Es w?re so einfach …'

  Ili steht am Fenster, schaut auf die Stadt hinab und denkt: 'Schade, dass ich nicht Gedanken lesen kann. Dann k?nnte ich zusehen, wie das Monster w?chst, das bald aus deinem Gehirn kriechen wird …'

  Entschlossen greift Ritsch zum Telefon …

  … und spricht in den H?rer: "Geben Sie mir Ihren besten Reporter! … Nein, keine Frau, ich will keine verdammte Zicke!"

  Ritsch, wie oben: "Ja, hallo, Sie sind es doch gewohnt, Informationen zu beschaffen. … Dann finden Sie mal heraus, wer hinter dieser Obdachlosendemo steckt. Mir ist aufgefallen, dass alle dasselbe Kleid tragen. Sieht aus wie eine Sekte. Finden sie heraus, ob diese Sekte Feinde hat, und beschaffen Sie mir entsprechende Kontakte. … Und noch etwas: Falls davon ein Wort an die ?ffentlichkeit dringt, sind Sie Ihren Job los und k?nnen sich zu dem obdachlosen Gesindel in die Reihe stellen."

  Ili denkt: 'Es will das Genossenschaft mit Gewalt zerschlagen. Ich muss es dem Frau sagen. … So viel Hass … Du schreist vor Wut … und gleichzeitig vor Schmerz. … Du machst lieber Krieg, statt Frieden zu finden. … Und wozu? …'

  Stimme der Sekret?rin aus der Gegensprechanlage: "Herr Direktor, ich soll Sie daran erinnern, dass Sie auf der Baustelle erwartet werden."

  Ritsch stürmt zur Tür …

  … und verl?sst das Büro, sodass Ili sich neben ihm durch die Tür schl?ngeln kann.

  W?hrend Ritsch auf der Strasse eine selbst fahrende Kabine besteigt, hüpft Ili lautlos auf deren Dach.

  Auch auf dem Weg zur Baustelle tauchen überall Obdachlose mit Schildern auf, …

  … was den Wutpegel in Ritsch hochtreibt, …

  … bis Ritsch sich an den Kopf greift und nur noch schreit: "Aaahhh!!! Aaahhh!!! Aaahhh!!! …"

  Als führe ein Blitz durch sie, wirft Ili den Kopf nach hinten.

  Zitternd schaut Ili hinab auf das Fahrzeug und denkt: 'Diese Schmerzen! … Warum bloss tust du dir das an? ...'

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